Tipps zu Hausarbeiten

Hier einige Tipps (vor allem an Studienanfänger), was man beim Abfassen einer Hausarbeit im Rahmen eines Philosophie-Seminares beachten sollte:

1. Themensuche

- Man sollte sich ein Thema suchen, das einen selbst interessiert, denn man muss nicht nur einiges an Zeit darauf verwenden, sondern sich auch selbständig damit auseinandersetzen und es kritisch diskutieren. Das geht nur, wenn einen das Thema wirklich anspricht.

- Das Thema sollte nicht zu breit sein. Lieber eine klar eingegrenzte Fragestellung gründlich bearbeiten, als vieles nur andeuten zu können.

- Man sollte nach Möglichkeit versuchen, eine Hauptfrage zu formulieren, die der Hausarbeit zugrunde liegt. (Bsp.: Warum behauptet Mill, es sei besser ein unzufriedener Sokrates als ein zufriedener Narr zu sein? Warum glaubt Hobbes, dass der Naturzustand ein Kriegszustand ist? Worin besteht nach Frege der Unterschied zwischen Sinn und Bedeutung?)

- Es bietet sich an, einen kleineren Primärtext (z.B. einen Aufsatz oder ein Kapitel aus einem Buch) zum Ausgangspunkt und Zentrum der Hausarbeit zu machen. Weitere Quellen sollten dann systematisch konsultiert werden, um offene Fragen, die sich in der Auseinandersetzung mit dem Haupttext ergeben, zu klären, sich nötige Hintergrundinformationen anzueignen u.ä.m. (Nicht einfach wahllos Sekundärliteratur zusammentragen, und dann nur zusammenfassen, was dort steht!)

- Falls man sich schwer tut, ein geeignetes Thema selbst zu finden, so hat der Dozent sicher eine Auswahl guter Vorschläge parat (siehe 2.).


2. Sprechstunde aufsuchen

- Man sollte das Thema mit dem Dozenten, bei dem man die Hausarbeit abgeben will, absprechen. Dabei besteht auch die Möglichkeit, Fragen zur Themenwahl, Gliederung und Literatur zu stellen.

- Es ist auch sinnvoll, zunächst eine Grobgliederung der angestrebten Hausarbeit zu erarbeiten, und diese vor der Abfassung der eigentlichen Hausarbeit mit dem Dozenten zu besprechen.


3. Literatursuche

- Zu den Veranstaltungen wird häufig auf ILIAS Sekundärliteratur, die für Hausarbeiten von Relevanz sein kann, als pdf-Dateien zur Verfügung gestellt.

- Es gibt inzwischen viele Textsammlungen - insbesondere zu Klassikern - und viele davon stehen in unserer Fachbibliothek oder der Universitätsbibliothek. Solche Sammelbände eignen sich meist gut, um wichtige und bewährte Sekundärliteratur zu finden. Man sollte die Möglichkeit der Literaturrecherche über das Katalogsystem der Universitätsbibliothek (OPAC) nutzen. Bitte keine Artikel oder Bücher aus obskuren Quellen wie obskuren Zeitschriften oder gar von unseriösen Internet-Seiten verwenden. Im Zweifelsfall sollte man beim Dozenten nachfragen.

- Für die Literatursuche im Fach Philosophie existiert eine spezielle Suchmaschine (Philosopher's Index), die man im Netz der Uni Mannheim abrufen kann (http://www.bib.uni-mannheim.de/bib-digital/dbfach-philosophie.html). Im Bedarfsfall kann man sich den Gebrauch des Programms von den Bibliotheksmitarbeitern erklären lassen.


4. Literaturangaben

- Es gibt unterschiedliche Standards, Literaturangaben im Text und im Literaturverzeichnis unterzubringen. Es ist sinnvoll, sich an einen der beiden folgenden Standards zu halten:

1. Möglichkeit:

a) im Text Kurzangaben:
- Tugendhat (2001), S. 215
- Foot (2001), S. 15

b) im Literaturverzeichnis die vollen Angaben:
- Foot, Philippa (2001), Natural Goodness, Oxford: Clarendon Press
- Tugendhat, Ernst (2001), "Moral in evolutionstheoretischer Sicht", in: ders., Aufsätze 1992-2000, Frankfurt: Suhrkamp, S. 199-224

2. Möglichkeit:

a) im Text schon die vollen Angaben:
- Pauer-Studer, Herlinde, Autonom leben. Reflexionen über Freiheit und Gleichheit, Frankfurt: Suhrkamp 2000, S. 29
- Anderson, Elizabeth S., "What is the Point of Equality?" Ethics 109, 1999, S. 113-115

b) bei dieser Variante ist nicht unbedingt ein separates Literaturverzeichnis nötig


5. Wie sollte die Hausarbeit aufgebaut sein?

- Die Hausarbeit sollte ca. 12-15 Seiten umfassen, mit einem1,5-zeiligen Abstand bei einer 12-Punkt-Schrift (ca. 2000 Anschläge pro Seite). Man sollte auch einen Rand für Anmerkungen frei lassen.

- Der Text sollte gut gegliedert sein, z.B. folgendermaßen: 1) Einleitung, 2) Fragestellung/Problemlage, 3) Diskussion von relevanten Antwortalternativen (die etwa in der Sekundärliteratur diskutiert werden), 4) Eigene Position, 5) Schlussbemerkungen

zu 1) In der Einleitung sollte man das Thema der Hausarbeit kurz in einen historischen und systematischen Zusammenhang einordnen und motivieren, warum man sich mit diesem Thema beschäftigt. Außerdem sollten die argumentativen Schritte, die im weiteren Verlauf folgen werden, schon vorweg skizziert werden, damit dem Leser schon zu Beginn der Aufbau der Arbeit klar ist.

zu 2) Nach der Einleitung sollte die Fragestellung bzw. die Problemlage, mit der sich die Hausarbeit gezielt befasst, möglichst klar und präzise herausgearbeitet und auf den Punkt gebracht werden.

zu 3) Bei der Diskussion möglicher Antwortalternativen sollte man nachweisen, dass man in der Lage ist, von anderen gegebene Antworten bzw. eingenommene Positionen nachvollziehen und mit eigenen Worten (nicht zu viele Zitate!) genau darstellen zu können. Man sollte auch deutlich machen, wodurch sich die einzelnen Positionen genau unterscheiden. Dabei muss immer klar sein, welche Position und Behauptung von wem stammt (insbesondere, was eigene Überlegungen des Autors der Hausarbeit sind im Gegensatz zu Thesen und Argumenten von anderen, die man nur wiedergibt).

zu 4) Im kritischen Teil sollte man selbst Stellung beziehen. Welche Position hält man selbst für die richtige, und warum? Es sollte auch deutlich gemacht werden, aus welchen Gründen man andere Auffassungen für verfehlt hält. Generell sollte man nicht wild rumspekulieren und bloß ungedeckte Behauptungen aufstellen, sondern immer für seine Auffassungen möglichst gute Gründe und Argumente liefern.

zu 5) Die Hausarbeit sollte mit einigen Schlussbemerkungen zum Abschluss gebracht werden. Diese können beinhalten: eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Hausarbeit; einen Ausblick, in welche Richtung man weiterfragen könnte bzw. welche Folgerungen die in der Arbeit vertretenen Auffassungen nach sich ziehen; u.ä.m.


6. Zum Schluss

- Man sollte seine Arbeit am Ende noch einmal gründlich durchlesen. Jegliche Flüchtigkeitsfehler sollten ausmerzt werden, sonst wirkt die Arbeit schlampig.

- Es ist sehr sinnvoll, seine Arbeit auch von einem Freund/Freundin/Eltern etc. lesen und kritisieren zu lassen. Verstehen andere die Arbeit? Wird klar, was gesagt werden sollte?

- Auf den Schreibstil achten! Gestelzte Formulierungen und unnötig komplizierte Sätze im Nominalstil sollten vermieden werden. Man sollte sich nicht eines Stils bedienen, den man vermeintlich für "philosophisch" hält. Die Kunst besteht darin, schwierige Sachverhalte einfach und deutlich auszudrücken. Je größer die Klarheit und Verständlichkeit, desto besser!

- Die Rechtschreibung kontrollieren! Im Zweifelsfall kann man auch mal in den Duden schauen. Die Orthographie trägt zum Gesamtbild der Hausarbeit bei und fließt in der Regel mit in die Bewertung der Arbeit ein.

- Im Internet und anderen Quellen kursieren fertige Hausarbeiten, die einem vermeintlich die Arbeit erleichtern. Copy and Paste - so schnell ist die Arbeit getan. Sich nicht davon verführen lassen! Denn man betrügt damit nicht nur die Dozenten, sondern auch sich selbst. Gerade im Philosophiestudium kommt es darauf an, sein eigenes Denkvermögen zu gebrauchen. Übrigens kann ein entdeckter Betrugsversuch bis zur Exmatrikulation führen.

- Die Hausarbeiten sollten bis spätestens zum Beginn der jeweils folgenden Vorlesungszeit abgegeben werden. Man bedenke, dass dann auch schon wieder neue Aufgaben auf einen warten.


[Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Thomas Schramme bedanken, der auf seiner Website ebenfalls eine Seite mit Tipps zum Abfassen von Hausarbeiten hat, und der mir seine diesbezügliche Textdatei freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Die allermeisten Formulierungen habe ich wörtlich oder mit nur kleinen Änderungen daraus übernommen. (Daher auch der hohe Anteil an Praktischer Philosophie bei den Beispielen!)]