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Literatur-& Medienwissenschaft - Forschungsprofil

Das Romanische Seminar der Universität Mannheim hat sich deutschlandweit und international durch den MEDIENWISSENSCHAFTLICHEN SCHWERPUNKT in einer Vorreiterrolle profiliert. So hat Rolf Kloepfer, der von 1971 bis 2008 als Professor in Mannheim tätig war, diese Profilierung ebenso wie die damit verbundene Gegenwartsorientierung der Romanistik maßgeblich vorangetrieben und gestaltet. Neben Arbeiten zur Ästhetik der Werbung und zur Filmanalyse ist die Erarbeitung von Grundlagenwissen einer semiotisch orientierten Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie deren Verankerung in den romanistischen Studiengängen hervorzuheben. In Mannheim wirkten in ähnlich innovativer Rolle Charles Grivel, der mediale Schwerpunkte in der Buchgeschichte, Bildtheorie und Photographie setzte, und Beate Ochsner, die zur Nachfolgerin des Filmtheoretikers Joachim Paech in Konstanz berufen wurde, und die das filmtheoretische und intermediale Profil der Mannheimer Romanistik maßgeblich mit prägte. Auch Thomas Klinkert ist zu nennen, der den Medienbezug im Rahmen seiner Publikation zur Einführung in die französische Literaturwissenschaft herausgearbeitet hat.
Der große Erfolg dieser Profilierung und die Leistungsfähigkeit der Mannheimer Romanistik wurde in Rankings bestätigt (u.a. 2007 vom CHE und im Hochschulranking der Lehramtsfächer). An diese erfolgreiche medienwissenschaftliche Schwerpunktsetzung des Instituts möchte die im Jahr 2009 gegründete literatur- und medienwissenschaftliche Abteilung anknüpfen und ausgehend von der wissenschaftlichen Qualifikation und den Profilen ihrer MitarbeiterInnen langfristig die folgenden vier Schwerpunkte in Lehre und Forschung verankern:

  1. Ausgehend von internationalen kulturtheoretischen Tendenzen wird am Romanischen Seminar ein postkoloniales Forschungsprofil begründet: gerade im Zuge einer transkulturellen Orientierung bieten sich Fragestellungen zur Struktur und Funktion medialer Darstellungsformen an, weil die Spezifik (post-)kolonialer Beziehungen ohne Berücksichtigung derartiger Vermittlungsbesonderheiten nicht denkbar ist (z.B. Zusammenhänge zwischen Schriftkultur und hegemonialen Diskursen oder technischen Medien, die im Rahmen eines Überwindungsdenkens privilegiert werden). Dabei stehen interkulturelle Phänomene wie Migration – im modernen und historischen Sinne –, Mehrsprachigkeit und andere Aspekte der Globalisierung im Zentrum, welche vielfältige interdisziplinäre Kooperationen nicht nur international, sondern gerade im Rahmen der Mannheimer geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung ermöglichen.
    Darunter der interdisziplinäre Masterstudiengang “Kultur im Prozess der Moderne: Literatur und Medien” (zusammen mit Germanistik, Anglistik/Amerikanistik) und das Anschlussprojekt des Promotionskollegs “Formations of the Global: Globalisierung aus kulturwissenschaftlicher Perspektive”.
  2. Die Genderforschung wird im Bereich der Literaturwissenschaft im Medienzusammenhang und dezidiert mit Blick auf Weiblichkeits- und Männlichkeitskonzepte sowie mit einer Orientierung auf deren Performanz fortgeführt. Die Ergebnisse der aktuellen Genderforschung zeigen, dass es sich hier nicht um ein politisch überlebtes, von Ideologien geprägtes Gebiet handelt, sondern mit der Strukturierungsfunktion der Kategorie Geschlecht vielmehr gesellschaftliche Grundfragen verbunden sind, die es in historischen und aktuellen Zusammenhängen zu erforschen gilt. Dieser Bereich ist – gerade im Hinblick auf die von ihm forcierte Theoriebildung – ebenfalls in besonderer Weise interdisziplinär anschlussfähig und wird vom Romanischen Seminar in die Studiengänge eingebracht.
    Aktuell läuft das DFG-Forschungsprojekt „Geschlechtermythen in kolonialer und postkolonialer Deutung“ mit Schwerpunkt Maghreb/Frankreich (Prof. Gronemann).
  3. Als dritten Bereich wird die Abteilung an die Aufklärungsforschung anschließen, der sich in Mannheim bereits Peter Brockmeier und Frank Baasner schwerpunktmäßig gewidmet hat, und diese in medienhistorischer und epistemologischer Perspektive verankern. Diese Epoche, die in der Forschung als “Sattelzeit” (Koselleck) zwischen vormoderner und moderner Welt gilt, stellt als solche Übergangszeit einen vielfach vernachlässigten, jedoch entscheidenden Bezugspunkt für die Erforschung gegenwärtiger Strukturentwicklungen dar. Gerade die interkulturelle Prägung der Aufklärungsdiskurse, ein privilegierter Untersuchungsgegenstand der Romanistik, kann als wichtige Folie in gegenwärtige Gesellschaftsdiskussionen eingebracht werden. 
  4. Geschichtskonzeptionen: Über den Bereich der Aufklärung als Epochenumbruch hinausgehend werden im vierten Schwerpunkt Formen der diskursiven Konstitution und Verarbeitung von Geschichte im Zusammenhang von medien- und literaturwissenschaftlichen Fragen untersucht. Hier stehen vor- und nachmoderne historische Konstellationen, Begrenzungen und Durchlässigkeiten, sowie insbesondere Medienumbrüche zur Debatte. Zudem werden Aspekte von Subjektivität und Ich-Konstitution thematisiert, beispielsweise in neuen autobiographischen Texten. Zentrale Gegenstandsbereiche sind hier die italienische und französische Renaissance, das Siglo de oro; historische Avantgarden, der Postfranquismus in Literatur und Film, Bürgerkriegsdarstellungen, Shoah u.a.


Im Forschungsprogramm der literatur- und medienwissenschaftlichen Abteilung werden konkrete romanistische Gegenstände stets mit epistemologischen Grundfragen verbunden, so dass die Studierenden nicht nur im engeren Sinne romanistische Kenntnisse erwerben, sondern zugleich in Denk- und Arbeitsweisen geschult werden, die über diesen Zusammenhang hinaus anwendbar sind. Neben dem vermittelten interkulturellen Wissen erwerben die Studierenden durch die methodischen Zugänge zu transnationalen Phänomenen Kompetenzen, die ihnen Selbständigkeit im Umgang mit Texten und der wissenschaftlichen Arbeit eröffnen.
Von diesen spezifisch geisteswissenschaftlichen Methodenkompetenzen profitieren zudem nicht nur Studierende der Romanistik, sondern auch Studenten anderer Fakultäten im Rahmen des romanistischen Lehrexports. Das im Rahmen der genannten theoriebasierten Ansätze entfaltete breite Arbeitsprofil erfüllt die besonderen strukturellen Erfordernisse der Mannheimer Romanistik und bietet den StudentInnen beste Voraussetzungen für die Ausbildung in den Diplom-, Lehramts-, Bachelor-, Master- und Promotionsstudiengängen.


 
 
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