Zwischenstaatlichkeit in der griechisch-hellenistischen Welt

Wie gestalteten griechische Poleis und hellenistische Monarchien ihre Beziehungen im Krieg, im Frieden und in Bündnissen? Diese Frage steht im Zentrum des Projektes zur Zwischenstaatlichkeit vom 6. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. Unter­sucht werden Verträge und diplomatische Praktiken, die weit mehr waren als bloße politische Werkzeuge: Sie verbanden religiöse Rituale, rechtliche Normen und symbolische Inszenierungen. Die bislang erschienenen Einzel­studien widmen sich dabei ganz unter­schiedlichen Beispielen, etwa dem spätarchaischen Vertrag von Sybaris, der Rolle der σπονδοδίκαι im Korinthischen Krieg, der Vertragspolitik des Seleukidenkönigs Anti­ochos III. im eurasischen Raum, dem Frieden nach der Schlacht von Kynoskephalai zwischen Rom und dem makedonischen König Philipp V. oder einem Ausspruch des armenischen Königs Tigranes II. im Dritten Mithridatischen Krieg. Zukünftige Arbeiten richten den Blick auf die Beziehungen zwischen Griechen und Achaimeniden während der Perserkriege. Langfristig zielt das Projekt auf eine systematische Darstellung der Formen der griechischen Zwischenstaatlichkeit und Vertragskultur.

 

Relief mit den Resten der Über­schrift eines Dekretes, das den händereichenden Figuren nach einen Vertrag zwischen Athen und Kios in Bithynien aus dem Jahr 406/5 v. Chr. beinhaltete (R. Schöne, Griechische Reliefs aus Athenischen Sammlungen, Leipzig 1872, Taf. IX, Nr. 53)