Tagungs­bericht: Digitale Formate politischer Partizipation

Wie wird Politik auf Social Media konstruiert und verhandelt? Diese Frage motivierte die Tagung Digitale Formate politischer Partizipation: Linguistische Zugänge zu politikbezogenen Kommentaren, Reels, Memes & Co. am 2. Oktober 2026. Vorträge zu politischer Partizipation in YouTube-Kommentaren, Instagram-Reels, Live-Reactions auf Twitch und vielem mehr zeigten spannende Forschungs­ergebnisse und gaben Anlass zum wissenschaft­lichen Austausch unter den Teilnehmenden.

Am 2. Oktober 2026 veranstalteten Prof. Dr. Marie-Luis Merten und Peter Schüller vom Lehr­stuhl für Germanistische Linguistik die Tagung Digitale Formate politischer Partizipation: Linguistische Zugänge zu politikbezogenen Kommentaren, Reels, Memes & Co. Die thematisch einschlägigen Vorträge boten den zahlreichen Teilnehmenden Einblicke in aktuelle Forschungs­projekte aus Deutschland, Österreich und Italien. Der Fokus lag, wie Marie-Luis Merten und Peter Schüller zu Beginn der Tagung einführten, auf digitaler Kommunikation über Politik. Diese wurde im Laufe des Tages anhand vielfältiger Daten von verschiedenen Plattformen wie YouTube, Twitch, TikTok oder Instagram bearbeitet und in den Anschlussdiskussionen an die Vorträge rege besprochen.

Nach einer kurzen Einführung, die den Forschungs­stand zu digitaler Kommunikation über politische Inhalte darstellte und problematisierte, begannen Prof. Dr. Karina Frick (Lüneburg & Innsbruck) und Prof. Dr. Steffen Pappert (Duisburg-Essen) mit einer multimodalen Unter­suchung visueller Ost-Stereotype. Sie zeigten auf, wie ‚Ossis‘ und ‚Wessis‘ mithilfe nicht nur sprach­licher Mittel in Zeitschriften, Memes und Reels konstruiert werden. Ebenfalls an Multimodalität interessiert präsentierte anschließend Dr. Phillip Neumair (Düsseldorf) seine Forschung zu Protestbewegungen und darauf bezogenen Instagram-Postings.

Nach einer kurzen Kaffeepause diskutierte Alessandro Stephan (Mannheim) das Diskursphänomen Merz leck Eier unter resonanztheoretischen Gesichtspunkten. Daran anknüpfend beschäftigten sich Lara Herford (Bremen) und Dr. Jonas Trochemowitz (Kassel) mit intermedialer Kommunikation auf Twitch. Sie zeigten Positionierungs­verfahren im Kontext von Live-Reactions auf Twitch, sowohl im Initialformat als auch im Chat, auf.

Einen sprach­vergleich­enden Blick warf Vincenzo Amendolara (Bologna) nach der Mittagspause auf italienische und deutsche Kommentare zu klimabezogenen YouTube-Shorts. Dabei bediente er sich verschiedener korpuslinguistischer Methoden wie Cluster- oder n-Gramm-Analysen. Dr. Swantje Köhler (Trier) machte mit Topos-Analysen zu Instagram- und TikTok-Kommentaren weiter. In ihrem Vortrag beschäftigte sie sich mit der Frage, wie die Wehrpflichtdebatte in der politischen Anschlusskommunikation verhandelt wird.

Zum Abschluss präsentierten Marie-Luis Merten und Peter Schüller Mannheimer Perspektiven auf digitale Partizipation und die Digitalisierung politischer Interaktion. Marie-Luis Merten stellte ihre Forschung zum Diskurs rund um die Stadtbild-Aussage Friedrich Merz' dar. Sie zeichnete nach, wie sich der Stadtbild-Diskurs in Instagram-Reels und der dazugehörigen Anschlusskommunikation entwickelt hat. Peter Schüller präsentierte Einsichten in sein Dissertations­projekt: Zum einen teilte er Einblicke eines diachronen Korpus aus ZDF-Sommerinterviews, zum anderen arbeitete er sprach­liche Muster heraus, die diese Form der mediatisierten politischen Interaktion organisieren.

Wir möchten allen Vortragenden und Teilnehmenden für diese gelungene und inspirierende Tagung herzlich danken!