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Igham Mote, ein mittelalterliches Herrenhaus in der UK.

Das Verhältnis zwischen Grundherren und Lehnsleuten im Mittelalter

Projektbeschreibung

Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit Jordan Claridge (London School of Economics and Political Science) und Tanja Skambraks (Universität Mannheim) bearbeitet.

Die Grundherrschaft war unbestreitbar ein wichtiger, vielleicht sogar der bestimmende Faktor der politischen, sozialen und wirtschaft­lichen Strukturen im Mittelalter. Die tatsächlichen Aus­wirkungen der Grundherrschaft und ihre zentrale Bedeutung für die Erklärung der wirtschaft­lichen Entwicklung sind jedoch seit langem umstritten. Meine Forschung in diesem Bereich zielt darauf ab, besser zu verstehen, wie die Grundherrschaft auf dem Land funktionierte, und insbesondere die Rolle der Lehnsleute bei der Verwaltung der feudalherrschaft­lichen Institutionen. Gemeinsam mit Jordan Claridge habe ich dies am Beispiel der Verwaltung streunender Tiere untersucht und gezeigt, dass die Grundherren ihr Recht streunende Tiere zu beschlagnahmen, da diese als öffentliches Gut galten, ausübten. Das „Streuner­system“ trug dazu bei, das Ackerland einer Gemeinde zu schützen – die wichtigste Einkommensquelle für Grundherren und Lehnsleute gleichermaßen – und gleichzeitig die Eigentumsrechte derjenigen zu sichern, die wichtige Kapitalanlagen in Form von Vieh verloren hatten. An anderer Stelle habe ich gezeigt, dass die Ausübung der Rechte der Grundherren an den verfallenen Gütern von Straftätern in hohem Maße von der Zusammenarbeit mit ihren Lehnsleuten abhing und dass die Lehnsleute den Ämtern, die sie als Teil ihrer Verpflichtungen gegenüber ihren Grundherren innehatten, positiv gegenüberstanden, da sie in ein gut funktionierendes System von Beamten eingebunden waren, das sowohl ihre eigenen Zwecke als auch die ihrer Grundherren erfüllte.

Um dieses Thema weiter zu erforschen, organisieren Tanja Skambraks und ich einen Workshop in Mannheim, der Wissenschaft­ler*innen aus ganz Europa und darüber hinaus zusammenbringen soll, um über dieses Thema nachzudenken. In konstruktiven Diskussionen und Debatten und durch den Vergleich verschiedener Perspektiven werden wir die Rolle der Herren in der mittelalterlichen Wirtschaft und ihre zeitlichen und räumlichen Unterschiede eingehender untersuchen. Wenn Sie daran interessiert sind, einen Vortrag zu halten oder als Teilnehmer*innen dabei zu sein, nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf! Weitere Informationen zum Workshop finden Sie hier.

Publikationen

  • Gibbs, Spike/Jordan Claridge, ‘Waifs and Strays: Property Rights in Late Medieval England’, Journal of British Studies, 61 (2022), S. 50–82. https://doi.org/10.1017/jbr.2021.125
  • Gibbs, Spike, ‘Lords, Tenants and Attitudes to Manorial Officeholding, c.1300-c.1600’, Agricultural History Review, 67 (2019), S. 155–74. https://www.bahs.org.uk/AGHR/ARTICLES/67_2_Gibbs.pdf
  • Gibbs, Spike, ‘Felony Forfeiture at the Manor of Worfield, C.1370-C.1600’, Journal of Legal History, 39 (2018), S. 253–77. https://doi.org/10.1080/01440365.2018.1532605