Aktuelle Forschungsprojekte
Onheyb: Datenbank zur Überlieferung der altjiddischen Literatur von den Anfängen bis 1750 / A Database on the Transmission of Old Yiddish Literature from Its Beginnings to 1750
Onheyb: Datenbank zur Überlieferung der altjiddischen Literatur von den Anfängen bis 1750 / A Database on the Transmission of Old Yiddish Literature from Its Beginnings to 1750
Die Datenbank stellt zunächst im Rahmen des DFG-Projekts „Old Yiddish Adaptations of German Literary Texts, 1400–1800: Cultural Transfer and Christian-Jewish Relations in Early Modern Europe“ Informationen zur Überlieferung von jiddischen Bearbeitungen deutschsprachiger literarischer Texte der Vormoderne zur Verfügung (d. h. zu Texten wie etwa Di Ziben Vayzen Maynster, Dukus Horant, Flores un Flankefler, Fortunatus, Sigenot, Oktaviano, Magelene, Meluzine, Til Aylnshpigl und Viduvilt). Erfasst werden Beschreibungen aller bekannten Handschriften und Drucke sowie beteiligte Personen wie etwa Dichter, Schreiber, Drucker, Mäzene etc. In der nächsten Phase werden in die Datenbank nach und nach auch alle anderen altjiddischen Texte aufgenommen. Auf diese Weise entsteht seit Aufnahme der Arbeit im Projekt eine forschungsbasierte Datenbank zur Überlieferung der altjiddischen Literatur, die es sich zum Ziel setzt, die philologische, geschichts- und kulturwissenschaftliche Forschung zum jüdischen Erbe Europas entscheiden voranzubringen.
The database initially provides – within the framework of the DFG project “Old Yiddish Adaptations of German Literary Texts, 1400–1800: Cultural Transfer and Christian–Jewish Relations in Early Modern Europe” – information on the transmission of Yiddish adaptations of German-language literary texts of the premodern period (i.e., texts such as Di Ziben Vayzen Maynster, Dukus Horant, Flores un Flankefler, Fortunatus, Sigenot, Oktaviano, Magelene, Meluzine, Til Aylnshpigl, and Viduvilt). It records descriptions of all known manuscripts and printed editions, as well as information on the individuals involved in their production and transmission, such as poets and adaptors, scribes, printers, patrons, and others. In a subsequent phase, all other Old Yiddish texts will gradually be incorporated into the database. The project is thus currently developing a research-based repertory on the transmission of Old Yiddish literature, which aims to make a decisive contribution to advancing philological, historical, and cultural research on the Jewish heritage of Europe.
Old Yiddish Adaptations of German Literary Texts, 1400–1800: Cultural Transfer and Christian-Jewish Relations in Early Modern Europe
Old Yiddish Adaptations of German Literary Texts, 1400–1800: Cultural Transfer and Christian-Jewish Relations in Early Modern Europe
Das internationale und interdisziplinäre Projekt wird im Rahmen des DFG-Förderprogramms ‚Nahostkooperation‘ gemeinsam mit Prof. Dr. Aya Elyada von der Hebräischen Universität in Jerusalem durchgeführt. Es beschäftigt sich mit einem der zentralen und besonders komplexen Aspekte deutsch-jiddischer Beziehungen – dem der altjiddischen Bearbeitungen mittelalterlicher und frühneuzeitlicher deutschsprachiger literarischer Vorlagen. Dieses einzigartige Korpus, hervorgebracht und überliefert in den jüdisch-aschkenasischen Gemeinschaften Europas vom 14. bis zum späten 18. Jahrhundert, beinhaltet Werke unterschiedlicher Gattungen, darunter Heldenepik, höfischer Roman, Prosaroman, Fabel- und Lieddichtung. Als facettenreiche Form des Kulturtransfers zwischen christlicher Mehrheitskultur und jüdischer Minderheit werfen diese Bearbeitungen interessante Fragen auf, was die Identität der jüdischen Übersetzer angeht, ihre Auswahl der bearbeiteten Texte und ihre Übersetzungstechniken, die möglichen Beweggründe, die zur Übersetzung führten, sowie die Rezeption der Übersetzungen in der Frühen Neuzeit und darüber hinaus. In den vergangenen Jahren haben diese altjiddischen Bearbeitungen die Aufmerksamkeit von Wissenschaftler:innen der Jiddistik und Judaistik, Germanistik und Vergleichenden Literaturwissenschaft, Kulturgeschichte und Übersetzungswissenschaft auf sich gezogen. Ihre Studien zeigen ein wachsendes Interesse an altjiddischer Literatur und belegen, welch innovatives und kreatives Potenzial den Texten innewohnt; zugleich wird darin aber auch die Heterogenität eines multidisziplinären Forschungsbereichs sichtbar, dem es an grundlegenden Untersuchungsinstrumenten mangelt, die für seinen Zusammenhalt und seine künftige Entwicklung unentbehrlich sind. Erstellt werden vor diesem Hintergrund ein umfassendes Handbuch zum Korpus altjiddischer Bearbeitungen deutschsprachiger Vorlagen sowie eine Datenbank zur Überlieferung dieser altjiddischen Texte.
The international and interdisciplinary project is being conducted within the framework of the DFG funding program “Nahostkooperation” in collaboration with Professor Aya Elyada (The Hebrew University of Jerusalem). The project engages with one of the central and most intricate aspects of the German-Yiddish encounter throughout the ages – that of Old Yiddish adaptations of premodern German literary texts. Composed and disseminated among the Jewish-Ashkenazi communities of Europe between the 14th and the late 18th century, this unique corpus of German literature in Yiddish included such diverse works as heroic epic, romance, chapbooks, fables, and songs. As a multifaceted case of cultural transfer between the Christian majority culture and the Jewish minority, it raises highly interesting questions concerning the identity and social functions of the Jewish translators; the texts that were chosen for translation (and those that were not); the translation strategies that were meant to adapt the German source texts to a Jewish audience; and the reception of the Old Yiddish adaptations in the early modern era and beyond. Of special interest are the possible motivations for translation and the ways in which the translators sought to introduce their readers to non-Jewish literature, while at the same time fostering a distinct Jewish subculture. In recent years, the Old Yiddish adaptations of German texts attracted the attention of scholars from Yiddish and Jewish studies, German studies, comparative literature, cultural history, and translation studies. Their scholarship reflects the growing interest in this Old Yiddish corpus and demonstrates its potential for innovative and creative research. Yet it also displays the fragmentation of this multidisciplinary field, which is still lacking basic scholarly tools for its cohesion and future development. Against this background, the project is producing a comprehensive handbook on the corpus of Old Yiddish adaptations of Germa sources, as well as a database on the transmission of these Old Yiddish texts.
Konrad von Würzburg: Die Legenden (Silvester, Alexius, Pantaleon).
Konrad von Würzburg: Die Legenden (Silvester, Alexius, Pantaleon).
Ediert, übersetzt und kommentiert von Michael Berger, Norbert Kössinger, Astrid Lembke und Stephan Müller.
DFG-Projekt: „Der altjiddische ‚Widuwilt‘. Edition, Transliteration, Übersetzung und Kommentar“ (abgeschlossen)
DFG-Projekt: „Der altjiddische ‚Widuwilt‘. Edition, Transliteration, Übersetzung und Kommentar“ (abgeschlossen)
Bei dem altjiddischen Ritterroman Widuwilt handelt es sich um die vielleicht komplexeste, kreativste und originellste Bearbeitung eines mittelalterlichen deutschen Erzähltextes durch einen jüdischen Autor, die uns überliefert ist. Sie ist ein ideales Objekt für eine außerordentliche Bandbreite literatur-, kultur- und geschichtswissenschaftlicher Fragestellungen: Welche kulturellen Kontakte bestanden im Spätmittelalter zwischen Juden und Christen? Welche literarischen Interessen bildeten sich zu dieser Zeit in einem städtischen Milieu heraus? Wie unterschied sich dieser Rezipientenkreis vom höfischen Publikum der hochmittelalterlichen Vorlage? Welche Transformationen erfuhr der Text mit seiner Überführung von der Handschriftenkultur in das Zeitalter des Buchdrucks? Der altjiddische ‚Widuwilt‘ kann dabei helfen, besser zu verstehen, wie eine eigene jiddische Schriftsprache entwickelt wurde, um die Bedürfnisse eines sich neu herausbildenden Leserkreises zu befriedigen. Von besonderem Interesse ist der Roman damit nicht nur für die Jiddistik und Judaistik, sondern auch – aufgrund des intrikaten Verhältnisses zwischen Vorlage und Bearbeitung – für die Germanistik sowie für die Geschichts- und Übersetzungswissenschaft. Trotz seiner großen Bedeutung wurde jedoch der Text bis heute nicht ausreichend philologisch erschlossen. Erstmals liegt nun eine moderne und vollständige Edition vor, die den Widuwilt unter Einbeziehung aller überlieferten Handschriften sowie des Amsterdamer Erstdrucks präsentiert und diesen Texten eine Umschrift in das lateinische Alphabet, einen Kommentar und ein Glossar zur Seite stellt:
Astrid Lembke, Ina Spetzke, Tatjana Meisler (Hg.): Der altjiddische ‚Widuwilt‘. Synoptische Edition, Umschrift und Kommentar [Jüdisch- christliche Literaturbeziehungen in Mittelalter und Früher Neuzeit: Texte und Studien 1]. Wien: Praesens, 2025.