Dr. Maria Alexopoulou

Dr. Maria Alexopoulou

Habilitandin und Vertreterin der Professur für Zeitgeschichte
Universität Mannheim
Lehr­stuhl für Zeitgeschichte
L 7, 7
Historisches Institut L 7, 7 – Raum 103
68161 Mannheim
Sprechstunde:
Mi 12:30–13:30 Uhr

Maria Alexopoulou ist Habiltandin und im HWS 2022 sowie FSS 2023 auch Vertretungs­professorin am Lehr­stuhl für Zeitgeschichte des Historisches Instituts der Universität Mannheim. Zuvor war sie seit 1.10.2020 wissenschaft­liche Mitarbeiterin am Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, mit einem Forschungs­projekt im Rahmen des Forschungs­instituts für gesellschaft­lichen Zusammenhalt. Maria Alexopoulou promovierte an der FU Berlin mit einer Dissertation am John-F.-Kennedy Institut mit dem Titel „Ethnic Foreign Policy in den Vereinigten Staaten von Amerika: Die Griechisch-Amerikaner (1964-1978)“. Sie beschäftigt sich seit längerem als Public und Oral Historian, von 2013 bis 2014 auch im Rahmen eines soziologischen Projekts, mit der Geschichte und Gegenwart der Einwanderungs­gesellschaft Deutschland. Im Juni 2022 gab sie ihre Habilitations­schrift ab, in der sie die Wirkungs­weisen von Rassismus auf die Einwanderungs­gesellschaft Deutschland mittels eines lokalhistorischen Zugriffs untersuchte. Zwischen Oktober 2019 und 2020 war sie Stipendiatin der Fritz-Thyssen-Stiftung.


  • Forschung

    Forschung

    • Migrations­forschung, Neuere Deutsche Migrations­geschichte
    • Geschichte und Theorie des Rassimsus
    • Oral History Projekte
    • Public History Projekte, Archivierungs­projekte
    • Amerikanische Geschichte (Schwerpunkt Außen­politik und Ethnizität)
    • Griechische Geschichte

    Habilitations­projekt

    „Ausländer“ und „Deutsche“ – Rassistisches Wissen und die Transformation Deutschlands in eine Einwanderungs­gesellschaft

    Seit den 1960er Jahren setzte in Westdeutschland ein Prozess ein, in dem sich die Bundes­republik widerwillig und nur langsam von der Idee zu verabschieden begann, ein „Nichteinwanderungs­land“ zu sein: Ein Teil der als vorübergehende „Gäste“ verstandenen Arbeits­migrant*innen wurde sesshaft, ihre Familien zogen nach, hinzu kamen viele Menschen, die als Asylsuchende in die Bundes­republik migrierten. Das vorliegende Projekt untersucht gesellschaft­liche und politische Aushandlungs­prozesse der sozialen Konzepte „Deutscher“ und „Ausländer“ zwischen den 1960er und 1990er Jahren, in denen sich die Bundes­republik zu einer Einwanderungs­gesellschaft wandelte. Grundhypothese ist, dass die damit verbundenen Diskurse und Praktiken durch tradierte rassistische Wissensbestände geprägt waren, die in der Folge immer wieder reproduziert, aber auch transformiert und in Frage gestellt wurden.

    Rassismus ist ein diachrones Phänomen, das in unterschiedlichen zeitlichen und räumlichen Kontexten verschiedene Ausprägungen angenommen hat. Autoren wie Etienne Balibar und Stuart Hall postulierten in den 1980er Jahren einen “Rassismus ohne Rassen”: Zwar sei der Begriff ‚Rasse‘ aus öffentlichen Diskursen (zumindest in Europa) verschwunden, nicht aber das Phänomen Rassismus als Denkmuster und Praxis. Neue Begrifflichkeiten wie “Ideologien der Ungleichwertigkeit” oder auch Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit, die besonders in Deutschland gebräuchlich sind, verstellen dabei geradezu den Blick auf die historische Kontinuität des Phänomens Rassismus. Im Kontext meiner Studie möchte ich Rassismus nicht als Ideologie verstanden wissen, sondern als Komplex von Wissensbeständen, die in Institutionen, Strukturen, Alltags­praktiken und Denkmustern auch in der „Mitte der Gesellschaft“ eingeschrieben waren und noch sind und welche die Binarität von „Ausländer“ und „Deutscher“ konstituiert und lange stabilisiert haben.

    Die Untersuchung erfolgt anhand von drei Fall­studien:

    1. Die internen Diskurse der politischen Entscheidungs­träger und die Verwaltungs­praktiken rund um die Themen Einwanderung und Einbürgerung auf allen gouvernementalen Ebenen.
    2. Eine Mentalitätsgeschichte der deutschen Bevölkerung in ihrem Bezug zu den „Ausländern“.
    3. Die Widerspiegelung dieser gouvernementalen und alltäglichen Diskurse und Praktiken bei den Migrant*innen sowie deren Selbstpositionierung zu Einwanderung und Einbürgerung.

    Ziel der Untersuchung wird es sein herauszuarbeiten, wie relevant diese Grenzsetzung der „Deutschen“ zu den „Ausländern“, wie sie durch die formaljuristischen Vorgaben stabilisiert wurde und auf der Alltagsebene lange dominierte, für die Entwicklung der Einwanderungs­gesellschaft Deutschland war, wo sich Zäsuren ergaben und wo Kontinuitäten bleiben. Die Antworten auf diese Fragen haben letztlich das Potential, eine Neu­bewertung des Weges der Bundes­republik in ein pluralistisches und demokratisches Staats- und Gesellschafts­gebilde nötig zu machen und damit ein neues „nationales Narrativ“ zu erfordern.

     

  • Publikationen

    Publikationen

    Monographien

    • Deutschland und die Migration. Geschichte einer Einwanderungs­gesellschaft wider Willen, (Reclam Sachbuch), Ditzingen 2020.
    • Ethnic Foreign Policy und Identitätsbildung: Die Griechisch-Amerikaner (1964-1978), Transatlantische Historische Studien, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2010.

    Aufsätze wissenschaft­liche Zeitschriften (Peer reviewed)

    • Ignoring Racism in the History of the German Immigration Society: Some Reflections on Comparison as an Epistemic Practice. Journal for the History of Knowledge 2/1 (2021), S. 1–13. DOI: doi.org/10.5334/jhk.43.
    • The „Niemands“ – Heimatlose Ausländer in Mannheim. Journal of Migration History 7 (2021), S. 220–243. doi:10.1163/23519924-00703002.
    • Non-Citizens Protests in Germany since the 1980s. Moving the Social · 66 (2021),  S. 63 –87. DOI: 10.46586/mts.66.2021.63-87.

    Aufsätze wissenschaft­liche Zeitschriften

    • Zweierlei Übergang. Wohnen für »volksdeutsche« Aussiedler*innen und »asylsuchende Außereuropäer« in den 1970er Jahren, in: Werkstatt Geschichte 81 (2020), S. 85-99.
    • „Wir sind auch das Volk!“ Das deutsche Volk in der Transformation der Bundes­republik zur Einwanderungs­gesellschaft, in: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 28 (2019), S. 225-254.
    • Vom Nationalen zum Lokalen und zurück? Zur Geschichtsschreibung in der Einwanderungs­gesellschaft Deutschland, Archiv für Sozialgeschichte 56 (2016), S. 463–484.

    Aufsätze in Sammelbänden

    Im Erscheinen:

    • Rassismus als Leerstelle der deutschen Zeitgeschichte, Expertise für den DeZIM-Rassismus- Monitor, in: DeZIM-Sammelband (weitere Angaben noch unbekannt).
    • Welche Erinnerungs­kultur braucht die Einwanderungs­gesellschaft?, in: Berger, Stefan/ Wolfgang Jäger/Ulf Teichmann (Hg.), Gewerkschaften im Gedächtnis der Demokratie, Bielefeld 2022, S. 189-296.
    • Die Schwierigkeit, Rassismus zu erinnern – Zwickau, Chemnitz, Jena und der NSU-Komplex, in: Nobrega, Suzan/Matthias Quent/ Jonas Zipf (Hg.), NSU.MACHT.VERGESSEN, Bielefeld 2021, S. 361-378.
    • Arbeiten für Deutschland, in: TECHNOSEUM Mannheim (Hg.), Arbeit & Migration. Geschichten von Hier, Darmstadt 2021, S. 54-65.
    • ‚Nation’ revisited: Geschichte und Gegenwart eines ambivalenten Konzepts, in: Ralf von Appen/ Thorsten Hindrichs (Hg.), One Nation under the Groove. „Nation“ als Kategorie populärer Musik, Bielefeld 2020, S. 31-48.
    • ‘Ausländer’ – A Racialized Concept? ‘Race’ as an Analytical Concept in Contemporary German Immigration History, in: Arghavan, Mahmoud u.a. (Hg.): Who Can Speak and Who is Heard/Hurt? – Facing Problems of Race, Racism and Ethnic Diversity in the Humanities in Germany, Bielefeld 2019, S. 45–67.
    • mit Michael Woywode, Wie kann man Gründer mit Migrations­hintergrund be­fähigen – Kulturelle Unterschiede und ihre Rolle in der Gründungs­beratung. Eine kritische Reflexion, in: Seifried, Jürgen/Bernd-Joachim Ertelt/Andreas Frey (Hg.), Beruf, Beruflichkeit, Employability, Bielefeld 2019, S. 215–238.
    • Translokale Identität. Die Vereinnahmung der Stadt im „Nicht-Einwanderungs­land“, in: Schulz, Kristina u.a. (Hg.): Grenzüberschreitungen: Migrantinnen und Migranten als Akteure im 20. Jahrhundert, München 2019, S. 180–190.
    • „Migration im Quadrat: 25 Mannheimer Biographien“, Nieß, Ulrich/Gassert, Philipp (Hg.), Mannheim 2016. (Texte zu: Ageliki Gountenidou, Mario Di Carlo, Talat und Inas Kamran, Berhanu Berhe, Nazan Kapan, Tefik Ramadani, Emilia Engel, Aminata Dico).

    Zeitschriften der politischen Bildung

    Online-Artikel

    Politische Diskussion

    • „Merkel muss bleiben! Der Rassismus gefährdet die Demokratie!“, MiGAZIN. Migration in Germany, 14.2.2020.
    • „Die schöne neue Welt der Migration“, MiGAZIN. Migration in Germany, 2.3.2018.
    • „Auch mit der neuen Regierung wird es kein Einwanderungs­gesetz geben“, Huffington Post, 24.10.2017.
    • „Migrations­expertin erklärt: So müsste ein Einwanderungs­gesetz für Deutschland aussehen“, mit Julius Zimmer (Autor Huffington Post), Huffington Post, 13.10.2017.
    • „Jetzt wissen wir Bescheid“, in: MiGAZIN. Migration in Germany, 26.9.2017.
    • Zweit­veröffentlichung bei Huffington Post, 3.10.2017.
    • „Der Feind heißt Gewalt”, in: MiGAZIN. Migration in Germany, 12.1.2017.
    • „Jetzt – Eine große Chance?“, in: MiGAZIN. Migration in Germany, 24.11.2015.
    • „Endlich sind wir die Guten“ in: MiGAZIN. Migration in Germany, 6.10.2015.

    Podcast & Videos

    Ältere Publikationen

    • „Interkulturelle Beratung“? Ansätze bei der Gründungs­beratung in der Einwanderungs­gesellschaft Deutschland – eine kritische Reflexion, ifm Mannheim (Hg.), IQ – Netzwerk Baden-Württemberg, Mannheim 2014.
    • „MannheimJahre“ – Katalog zur Fotoausstellung, Die Unmündigen e.V./Büro Mannheim, Mannheim 2007. (Beiträge und Mitherausgabe).
    • „gesternJahre“, Ausstellungs­katalog, Privatdruck, Die Unmündigen e.V., Mannheim 2004.
    • Genealogie der Familie Engelhorn, Privatdruck, Friedrich Engelhorn-Archiv e.V., Mannheim 2004.
    • „Die Nationale Jugend­organisation des Metaxas-Regimes (1936-41) – Instrument der Umwandlung Griechenlands“, in: Bulletin für Faschismus- und Weltkriegsforschung, 17 (2001), S. 36–65.
  • Lebenslauf

    Lebenslauf

    Maria Alexopoulou ist im HWS 2022 und FSS 2023 Vertretungs­professorin am Lehr­stuhl für Zeitgeschichte des Historisches Instituts der Universität Mannheim. Ihr Forschungs­schwerpunkte sind die Migrations- und Rassismusgeschichte sowie deren Verflechtungen. Sie ist zudem Leiterin zweier Forschungs­projekte am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin im Rahmen des „Forschungs­institut Gesellschaft­licher Zusammenhalt“. Ihre an der Universität Mannheim entstandene Habilitations­schrift trägt den Titel „Rassistisches Wissen in der Transformation der Bundes­republik Deutschland in eine Einwanderungs­gesellschaft (1940-1990)“.

     

    Mitgliedschaften

  • Lehre

    Lehre

    Aktuelle Veranstaltungen

    • HS MA Kulturkämpfe in Deutschland (HWS 2022)
    • HS BA Der Nahostkonflikt. Genese, Verlauf, Diskurse (HWS 2022)
    • VL Einführung in die Geschichts­wissenschaften (HWS 2022)

    Hauptseminare

    • Die Musealisierung von Migration (mit Prof. Dr. Philipp Gassert und Dr. Anne Mahn (Technoseum Mannheim)) (FSS2018)
    • Postkoloniale Theorien und Geschichts­wissenschaft (mit Prof. Dr. Philipp Gassert) (HWS 2016)

    Proseminare

    • „Trump und die Mauer zu Mexiko“ – US-Einwanderungs­politik seit dem 19. Jahrhundert (HWS 2018)
    • Der Nahost-Konflikt – Genese und Entwicklung bis zum Ende der ersten Intifada (1916-1993) (FSS 2018)
    • “Volksgemeinschaft”-Geschichte eines Konzepts (FSS 2017)
    • Geschichte von Flucht und Asyl im 20. Jahrhundert (HWS 2016)
    • Das US-amerikanische Civil Rights Movement (FSS 2016)

    Übungen

    • Historische Methodenwerkstatt und Forschungs­designs (FSS 2017)
    • Oral History Workshop – Migration in Mannheim (HWS 2015)
    • Konzepte und Begriffe der neueren deutschen Migrations­geschichte (FSS 2016)

    Historisches Seminar Heidelberg

    • Begriffe und Konzepte der neueren deutschen Migrations­geschichte (SoSe 2012)
    • Migrations­geschichte lokal: Quellenrecherche zur neueren Migrations­geschichte in der Region (WiSe 2009/10)
    • Oral History Workshop: Migranten in Heidelberg (SoSe 2009)