Erinnerungs­spuren 1939-45: Das trans­kulturelle Gedächtnis des Maghreb (DFG-Förderung 2026–2029)

Prof. Dr. Claudia Gronemann leitet das von der DFG geförderte Vorhaben zur franko-maghrebinischen Erinnerungs­kultur, das sich der systematischen Erschließung literarischer und filmischer Werke mit Blick auf deren Erinnerungs­spuren an den Zweiten Weltkrieg widmet.

Erinnerungs­spuren 1939-45: Das trans­kulturelle Gedächtnis des Maghreb

Das Vorhaben zielt auf die erstmals umfassende und systematische Erschließung, Analyse und Vermittlung eines Korpus‘ aus literarischen und autobiographischen Werken, Filmen sowie Medientexten, die sich auf die Ereignisse der Jahre 1939-45 beziehen und das trans­kulturelle Gedächtnis der – verschiedene Gruppen umfassenden – lokalen Bevölkerung Nordafrikas bilden. Die Besonderheit dieses Gegenstands besteht darin, dass der Zweite Weltkrieg den Maghreb tiefgreifend prägte und seine Perspektiven für die aktuelle Auseinandersetzung mit einer globalisierten Erinnerungs­kultur unverzichtbar sind, doch die Aufarbeitung bislang nicht erfolgt ist. Es handelt sich hier in doppelter Weise um einen lieu d’oubli (Porra 2015), denn die lokalen Weltkriegserfahrungen haben weder in Frankreich noch in den Nationen des Maghreb Eingang in die offizielle Geschichtsschreibung gefunden. So nimmt sich das Projekt vor, dieses unsichtbare Archiv im Rahmen einer verflochtenen Erinnerungs­geschichte literatur-, kultur- und medien­wissenschaft­lich zu analysieren. Damit soll, erstens, eine Wissensgrundlage für die Integration nordafrikanischer Erfahrungen in das globale Gedächtnis des Weltkriegs geschaffen werden, und zweitens, sollen neue Zugänge zu diesen trans­kulturellen Erinnerungen entstehen, und zwar jenseits eurozentristischer Perspektiven und Interpretationen. Das gegenwärtige Aufeinandertreffen kulturell heterogener Gedächtnisse in Migrations­gesellschaften macht diese Aufgabe dringender denn je.

Traces of remembrance 1939-45: The trans­cultural memory of the Maghreb

The research project aims to comprehensively and systematically catalogue, analyze and convey a corpus of literary and autobiographical works, films and media texts relating to the events of 1939–45 that form the trans­cultural memory of the various groups which comprise the local population of North Africa. This subject is of particular interest because the Second World War had a profound impact on the Maghreb, and because perspectives from this region are essential for the current debate on a globalised culture of remembrance. However, this topic has not yet been addressed which is a real lieu d'oubli (place of oblivion, Porra, 2015) for two reasons: local experiences of the war have neither been incorporated into official historiography of France nor of the Maghrebi nations. The project wants to close this gap by analyzing the invisible archive within the framework of intertwined memory histories, drawing on literary, cultural and media studies. It thus builds upon foundational texts in Maghrebi literary historiography. Its aim is to first create a knowledge base for the integration of Maghrebi experiences into the global memory of the World War. It will then develop new approaches to these inherently trans­cultural memories, beyond Eurocentric perspectives and interpretations. The current clash of culturally heterogeneous memories in migrant societies makes this task more urgent than ever.

Wissenschaft­licher Projektmitarbeiter: Dr. Hervé Sanson

Wissenschaft­liche Koordination: Eva Bruckner, M.A.

Wissenschaft­liche Hilfskraft: Alissa Di Brino