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Funeral Casino Blues (2025)

Trigger-Warnung: Gewalt, Missbrauch, sexuelle Themen

Filmkritik:

Bangkok bei Nacht, ein endloses Spiel aus Farben und Lichtern. Oben lässt sich von den Dächern aus die funkelnde Skyline beobachten, unten, in bunt leuchtenden Gassen tummeln sich die Tourist*innen und Bewohner*innen der Stadt, welche durch die warme, schwüle Luft rastlos wach gehalten werden. Dies beschreibt in etwa die Kulisse, vor welcher Roderick Warichs Funeral Casino Blues spielt. Zwar handelt es sich bei dem Film nach The trouble with being born (2020) erst um Roderick Warichs zweite Regiearbeit, jedoch ist Roderick Warich in der deutschen Film- und Fernsehindustrie als erfahrener Drehbuchautor unter anderem für Die Theorie von Allem (2023) oder auch für den Polizeiruf 110 oder Ein Fall für Zwei bekannt.

Inmitten von Bangkoks nächtlichem Chaos findet sich Jen (Jutamat Lamoon), welche sich mit ihrer Freundin Pim (Jutarat Burinok) ein kleines Apartment in der Megacity teilt. Um sowohl ihre Miete bezahlen zu können als auch hre Familie außerhalb der Stadt unter­stützen zu können, bietet Jen, trotz der Gefahr, verschiedenste Dienstleistungen gegenüber fremden Männern an. Als eines dieser Treffen mit einem Touristen zu eskalieren zu scheinen droht, greift Wason (Wason Dokkathum), Jens Nachbar, ein und deeskaliert die Situation. Danach beginnen Jen und Wason immer mehr Zeit miteinander zu verbringen und kommen sich so immer näher. Als Jen jedoch nach einem Besuch bei ihrer Familie plötzlich spurlos verschwindet, begeben sich Pim und Wason auf die Suche nach ihr. 

Funeral Casino Blues ist mit einer Laufzeit von etwa 153 Minuten ein deutlich längerer Kunstfilm, als viele es gewöhnt sein mögen. Dass der Handlungs­beginn ebenso wie einzelne Momente und Elemente etwas in die Länge ziehen, merkten laut dem Regisseur auch einige der Kritiker des Filmfestivals in Venedig an. Obwohl man daher vermuten könnte, dass es sich bei Funeral Casino Blues um einen zu langen, womöglich langweiligen Film handelt, ist dies nicht so. Denn, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu erlangen, teilt Warich den Film in drei Kapitel, deren jeweiliger Titel beim ersten Lesen zwar etwas verwirren kann, im Verlauf der Handlung jedoch an Bedeutung und Sinn gewinnt. Nicht nur fassen die einzelnen Titel der Kapitel diese grob zusammen, sondern sie sind auch Anspielungen auf Songs. Beispielsweise weißt „Chapter 1: Why do birds suddenly appear…?“ auf eine bekannte Zeile aus dem Lied „(They Long to Be) Close to You“ der Carpenters hin und auch die Handlung des Kapitels erinnert an dieses. Ebenso greift eines der Kapitel mit seinem Titel ein scheinbar unscheinbares Detail auf, welches bereits innerhalb der ersten Stunde des Films aufkommt und bereitet somit durch die Technik des foreshadowing spätere, handlungs­entscheidende Ereignisse vor. 

Dies deutet auch daraufhin, wodurch Funeral Casino Blues am meisten überzeugt, nämlich durch die gestalterischen Entscheidungen. Ob eine körnige schwarzweiß Aufnahme durch eine Über­wachungs­kamera oder eine blau verschwommene träumerische Szene, Warichs Film verfügt über die verschiedensten künstlerischen Mittel, um neben inhaltlicher auch visuelle Spannung zu erzeugen.

Funeral Casino Blues hypnotisiert sein Publikum mit grell leuchtenden Farben, emotionalen platonischen wie auch romanti­schen Beziehungen und einer ruhigen Intensität der Handlung. Der Film scheint perfekt für jede Art von Filmliebhaber*innen, da er unzählige Interessens­bereiche abzudecken vermag, denn Funeral Casino Blues ist genre­übergreifend, visuell kraftvoll und erstaunlich nah an seinen Figuren. Wer also kreative Inszenierungen von Figuren und Atmosphäre wertschätzt, wird begeistert sein.

Sprache: Thai mit englischen und deutschen Unter­titeln