Dr. Sina Steglich

Dr. Sina Steglich

Universität Konstanz
Fach­bereich Geschichte & Soziologie

Universitäts­straße 10, Fach 11
78464 Konstanz

Dr. Sina Steglich ist seit dem Sommersemester 2018 als Wissenschaft­liche Mitarbeiterin an der Universität Konstanz tätig.

  • Dissertation

    Zeitort Archiv. Etablierung und Vermittlung geschichtlicher Zeitlichkeit im 19. Jahrhundert“ (im September 2018 verteidigt)

    Das Archiv ist ein Ort der Zeit. Die sich ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts verdichtende Einrichtung staatlicher Archive im Zusammenhang mit dem Ausbau des hochmodernen Staates in Europa ist Ausgangspunkt der Untersuchung. Parallel dazu verlief die durch den Historismus motivierte Öffnung des Archiv-Arkanums für die Forschung. Leitend ist dabei die These, dass die Ordnung von Zeit ein von der Forschung bislang kaum beachtetes Definiens und zugleich grundlegender Faktor „der Moderne“ ist. Das Projekt fragt daher, inwiefern durch Systematisierung und Erschließung der Bestände, wissenschaft­liche Nutzung sowie Publikationen aus staatlich-zentralisierten Archiven heraus Entwürfe geschichtlicher Zeitlichkeit hervorgegangen sind und welche chronopolitische Dimension diesen Praktiken eingeschrieben war. Das staatliche Archivwesen, dessen Ausbau im Verlauf des 19. Jahrhunderts in ganz Europa kulminierte, wird dabei als Chiffre gelesen: So richtet sich das er­kenntnisleitende Interesse nicht auf die institutionelle Innenperspektive einer speichernden Staats­tätigkeit. Vielmehr soll das Archiv als transnationales Symptom des von Zygmunt Bauman dargelegten modernen Ordnungs­bewusstseins gelesen werden. In dem Maße, wie die Zeit metaphysisch und religiös bereinigt wurde, avancierte ihre Handhabung und Gestaltung zu einer drängenden Herausforderung. Vor diesem Hintergrund ließe sich das Archiv als eine Einrichtung zur Homogenisierung gesellschaft­licher Zeitvorstellungen begreifen, die als Synchronisierungs­instanz entscheidend dazu beitragen konnte, nationale Bindekräfte zu stärken.

    Die Dissertation wurde durch die Studien­stiftung des deutschen Volkes, dem DHI London, dem DHI Paris und dem Leibniz-Institut für Europäische Geschichte in Mainz gefördert.