Dr. Almuth Ebke

Dr. Almuth Ebke

Akademische Mitarbeiterin
Universität Mannheim
Neuere und Neueste Geschichte
L 7, 7
Historisches Institut – Raum 204
68161 Mannheim
Sprechstunde:
Mi, 16–17 Uhr (Anmeldung im Online-Tool)
  • Sprechstunde

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Auslands­beauftragte/ Ansprech­partnerin für internationale Angelegenheiten des Historischen Instituts (Outgoing Students)

Bei Fragen zu Learning Agreements und Anerkennung bin ich momentan am besten per E-Mail erreichbar.


  • Forschung

    Laufendes Habilitations­projekt
    Arbeits­titel: Das Andere der Moderne? Die historisch-kritische Bibelforschung und die „Einhegung“ von Religion, ca. 1860–1920

    Zu Beginn der 1860er Jahre entbrannte ein heftiger Streit um die historisch-kritische Bibelforschung. Diese theologischen Richtung war seit den 1830er Jahren vor allem im Umfeld der Universität Tübingen entwickelt worden und setzte dazu an, das Alte und das Neue Testament mit neuen wissenschaft­lichen, nämlich historisch-kritischen Methoden zu behandeln. Zentraler Streitpunkt war, ob man die Bibel als historischen Gegenstand behandeln dürfe. Für viele Zeitgenossen lag die Gefahr auf der Hand: Die Bibel, gerade von evangelikalen Christen als die ultima ratio menschlichen Lebens gesehen, lief in dem Moment, in dem sie als historisch gewordenes Objekt betrachtet wurde, die Gefahr, relativiert zu werden.

    Anhand der Debatte um die historisch-kritische Bibelforschung soll herausgearbeitet werden, wie unterschiedliche Formen geschichtlichen Denkens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts um Vorherrschaft kämpften. Diese Auseinandersetzung war, so die These, grundlegend für den am Ende des 19. Jahrhunderts geprägten Diskurs der Moderne. In diesem wurde eine spezifische, auf eine historische Evolution ausgerichtete Denkweise privilegiert, die von Historikern in Auseinandersetzung mit den natur­wissenschaft­lichen Entdeckungen und Entwicklungen der Zeit entwickelt, von religionshistorischen Theologen verbreitet und von Soziologen als gesellschaft­licher Normalzustand festgeschrieben wurde.

     

    Abgeschlossenes Dissertations­projekt (im Mai 2017 verteidigt)
    Das Soziale denken: „Britishness“ und die Neuverhandlung Großbritanniens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

    In ihrer Promotion hat Almuth Ebke sich mit der Frage beschäftigt, wie soziale Ordnungs­vorstellungen in Großbritannien in Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit seit den 1960er Jahren neu verhandelt wurden. Das Projekt vertritt die These, dass vielschichtige gesellschaft­liche Veränderungs­prozesse wie das Aufkommen von schottischem und walisischem Nationalismus oder postkoloniale Migrations­bewegungen dazu führten, dass die bis dahin dominanten sozialen Ordnungs­modelle an Prägekraft verloren. Ausgehend von der historiographischen und politischen Debatte über „Britishness“ in den 1990er und frühen 2000er Jahren wird der dadurch ausgelöste Aushandlungs­prozess zentraler Kategorien sozialer Ordnung anhand unterschiedlicher, bis in die 1960er Jahre zurückreichender Diskussionsstränge analysiert.

    Das Projekt orientiert sich an neueren Überlegungen zu einer ideenhistorischen Geschichtsschreibung, die darauf abzielen, zeitgenössisch als selbstverständlich betrachtete Denk- und Handlungs­muster zu historisieren. Das Promotions­vorhaben leistet somit einen Beitrag zur Erfahrungs­geschichte der sozioökonomischen Transformations­prozesse, die seit den ausgehenden 1960er Jahren in Großbritannien und anderen westlichen Industriestaaten abliefen.

     

    Konferenz­organisation:

    Eighty Years of “The Lion and the Unicorn”: Society and Identity in Great Britain since World War II 
    Internationaler Workshop von Dr. Almuth Ebke zusammen mit Dr. Nikolai Wehrs (Universität Konstanz) und Dr. Daniel Larsen, (University of Cambridge), 11.–12. Juni 2021.

    Conceptualising Modernity. An interdisciplinary dialogue
    Vorbereitung einer interdisziplinären und epochen­übergreifenden Tagung in Kooperation mit Dr. Christoph Haack und dem SFB 923 „Bedrohte Ordnungen“ an der Universität Tübingen, 9.–10. Dezember 2021.
     

  • Lebenslauf

    Almuth Ebke ist seit Herbst 2013 akademische Mitarbeiterin am Lehr­stuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Mannheim. Sie studierte Neuere und Neuste Geschichte, Alte Geschichte und Neuere deutsche Literatur­wissenschaft an den Universitäten Tübingen, Aix-Marseille I und Cambridge. 2009 M.Phil. in Modern European History der Universität Cambridge, 2011 Magister Artium der Universität Tübingen. Im Anschluss arbeitete sie von 2011 bis 2012 als wissenschaft­liche Mitarbeiterin am Fach­bereich Gesellschafts­wissenschaften der Universität Kassel.

    Im Rahmen ihres Promotions­projektes verbrachte Almuth Ebke von Herbst 2012 bis Sommer 2013 Forschungs­aufenthalte am DHI London und an der University of Cambridge. Sie promovierte 2017 mit der Arbeit „Das Soziale denken:‚Britishness‘ und die Neuverhandlung Großbritanniens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ am Historischen Institut der Universität Mannheim (summa cum laude).

    Zu ihren Interessen- und Forschungs­gebieten gehören britische Sozial-, Politik- und Kulturgeschichte, die Geschichte angloamerikanischer Kultur­wissenschaften sowie die Geschichte von Säkularismus in der „Moderne“ – alles aus der Perspektive der Neuen Ideengeschichte. Sie ist Mitglied im Arbeits­kreis Großbritannien-Forschung (AGF), im Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD) sowie der Royal Historical Society (RHS).

     

    Stipendien und Preise

    2018

    Förderungs­fonds Wissenschaft der VG Wort
    Druckkostenbeihilfe zur Publikation der Dissertation

    4/2018

    Stipendium des DAAD-Kongress- und Vortragsreise­programms für die Teilnahme an der ESSHC in Belfast, 4.–7. 4. 2018

    1/2013–9/2013

    Jahresstipendium des DAAD für einen Aufenthalt als Visiting PhD Student an der University of Cambridge

    10/2012–12/2012

    Doktoranden­stipendium am Deutschen Historischen Institut London

    10/2011

    Preis des Fördervereins Geschichte an der Universität Tübingen für die beste Magisterarbeit im akademischen Jahr 2010/11

    7/2007–2/2011

    Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung (Grund­förderung)

    10/2008–7/2009

    Stipendiatin des Cambridge European Trust, Großbritannien

  • Publikationen

    Monographien

    Britishness. Die Debatte über nationale Identität in Großbritannien, 1967 – 2008, Berlin/Boston 2019 (Ordnungs­systeme 55).

    • Rezension von Juliane Clegg, in: GHIL Bulletin 20/2, S. 101-106.
    • Rezension von Gerhard Altmann in: sehepunkte 20 (2020), Nr. 11 [15.11.2020]

    The Party is over? Britische Wirtschafts­politik und das Narrativ des „Decline“, Frankfurt a. M. 2012.

    • Rezension von Peter Beule, in: Archiv für Sozialgeschichte (online) 54, 2014.

    Aufsätze/Beiträge

    • Between Empire and Nation: the Reform of the British Nationality Law, Internal Decolonization and the Politics of Belonging in post-imperial Britain, ca. 1981, in: Levke Harders, Falko Schnicke, Hrsg., Practising Borders. Belonging to Empires, Nations, and Regions in the Nineteenth and Twentieth Centuries, Oxford 2021, zur Publikation angenommen.
    • Zerbricht der Brexit das Vereinigte Königreich? Nationalismus und Autonomiestreben in Großbritannien seit 1977, in: Geschichte der Gegenwart (7.2.2021), URL: geschichtedergegenwart.ch/?p=13993
    • From “ethnic community” to “black community”: the cultural belonging of migrants between race relations research and the politics of blackness in 1970s and 1980s Britain, Bulletin of the German Historical Institute Washington DC, Supplement 15 (2020), S. 93–110.
    • Thatcher als Zäsur? Die IWF-Krise 1976, gesellschaft­liche Ordnungs­vorstellungen und das Narrativ des „British Decline“, in: Christoph Lorke, Rüdiger Schmidt, Hrsg., Der Zusammenbruch der alten Ordnung? Die Krise der Sozialen Markt­wirtschaft und der neue Kapitalismus in Deutschland und Europa, Stuttgart 2020, S. 295–314.
    • The decline of the mining industry and the debate about Britishness of the 1990s and early 2000s, in: Contemporary British History 32/1 (2018), S. 121–141.
    • From „bloody Brixton“ to „burning Britain“: placing the riots of 1981 in British post-imperial history, in: Knud Andresen, Bart van der Steen, Hrsg., A European youth revolt: European Perspectives on Youth Protest and Social Movements in the 1980s, Houndmills, Basingstoke 2015, S. 258–270.

     

    Rezensionen für HSozKult und das Journal of British Studies.

  • Lehre

    Proseminare

    • Kolonialismus und Imperialismus im deutschen Kaiserreich, FSS 2021
    • Krisenjahre 1770–1820, HWS 2020
    • Baptisten, Methodisten, Mormonen: Erweckungs­bewegungen des 19. Jahrhunderts, FSS 2020
    • Die Geschichte der Biologie im 19. Jahrhundert, HWS 2019
    • Vom „awkward partner“ zum Brexit: Großbritannien und die EU, 1945–2016, FSS 2019
    • Das deutsche Kaiserreich, 1871–1914, HWS 2018
    • Säkularisierung in Europa im 19. Jahrhundert, FSS 2018
    • Der Beginn der Moderne? Die Sattelzeit, ca. 1750–1850, HWS 2017
    • Belle Époque, Fin de Siècle und Gründerzeit: die Jahrhundertwende transnational, FSS 2017
    • Nation, Nationalismus, Nationale Identität in Großbritannien, HWS 2016
    • „Class“ in Großbritannien im 20. Jahrhundert, HWS 2015
    • Nationalismus in Schottland, ca. 1880–1980, FSS 2015
    • Migrations­geschichte Großbritanniens im 20. Jhd., HWS 2014
    • Großbritannien in den 1970ern, FSS 2014
    • Youth Cultures in Britain in the 20th Century, SS 2012
    • Britain at the Crossroads: Change and continuity, 1960s–1980s, SS 2012
    • The „English National Character“ in the 19th and 20th Century, WS 2011/12
    • The Conflict in Northern Ireland in the Twentieth Century, SS 2011
    • Great Britain in the 1970s, WS 2010/11

     

    FSS 2014 – FSS 2019: regelmäßige Tutorien zu den Proseminaren


    Übungen

    • Hegel, Ranke und Co. Geschichte und Geschichtsphilosophie im 19. Jahrhundert, FSS 2021
    • Zeit-Geschichte. Eine Geschichte von Zeit und Fortschritt, HWS 2020
    • Wissenschaft­lich schreiben leicht gemacht, FSS 2020
    • Moderne und Hochmoderne, HWS 2019

Ankündigungen und Neuigkeiten

  • Workshop „Eighty Years of “The Lion and the Unicorn”: Society and Identity in Great Britain since World War II“: Vom 11.-12. Juni 2021 diskutierten Dr. Almuth Ebke (Universität Mannheim), Dr. Nikolai Wehrs (Universität Konstanz) und Dr. Daniel Larsen (University of Cambridge) mit den Teilnehmern  des Internationalen Workshops  „Eighty Years of “The Lion and the Unicorn”: Society and Identity in Great Britain since World War II“ über Identitäts- und Zugehörigkeits­diskurse im Vereinigten Königreich seit dem Zweiten Weltkrieg. Zum vollständigen Programm geht es hier. Ein Tagungs­bericht folgt in Kürze.
  • Neuer Hörfunkbeitrag mit Dr. Almuth Ebke vom 07. Mai 2021: Am 07. Mai 2021 diskutierte Thomas Ihm mit Dr. Almuth Ebke (Universität Mannheim), Anne McElvoy (The Economist) und Udo Seiwert-Fauti (Freier Journalist) im SWR 2 Forum zum Thema „Grabenkämpfe auf der Insel – Was eint die Briten heute noch?“. Den ganzen Beitrag finden Sie hier als Podcast.
  • Call for Papers: Conceptualising modernity – an interdisciplinary dialogue: Internationaler Workshop von Dr. Amuth Ebke zusammen mit Dr. Christoph Haack (Universität Tübingen), 09.-10. Dezember 2021.
  • Neuer Blogbeitrag von Dr. Almuth Ebke: Warum kann der Brexit nicht ohne die britischen Niedergangs- und Reformdiskurse seit den 1960ern verstanden werden? Und was hat schottischer Nationalismus damit zu tun? Dazu ein neuer Beitrag von Almuth Ebke auf dem Blog Geschichte der Gegenwart.