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FLINK – Fremdsprachenlernen in Inklusiven Kontexten

(2017–2021)

Kontakt – Lehr­stuhl für Mehrsprachigkeits­didaktik

Aktuelles

Science Slam an der Universität Hildesheim: 5. November 2019, 18:30 (Audimax)
Vortrag: „Wie lerne ich am besten eine Sprache?
" (youtube)

Über das Sprachenlernen im Allgemeinen und die Vorteile von bilingualem Lernen in der Grundschule im Besonderen

ZDF live Interview „Zweisprachig aufwachsen“ in bilingualen Kitas

Projekt

Die interdisziplinäre Longitudinalstudie FLINK ist Teil des Forschungs­verbund­projekts Inklusive Bildungs­forschung der frühen Kindheit als multidisziplinäre Herausforderung des Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen. Sie untersucht die Entwicklung sprachlicher und kognitiver Fähigkeiten bei Kindern mit heterogenen Lern­voraussetzungen in zweisprachigen Kitas im Übergang in die zweisprachige Grundschule im Vergleich zu Kindern in einsprachigen Kitas und Grundschulen.

Hintergrund

Im Zuge von Globalisierung und Inklusion werden Lerner­gruppen zunehmend heterogener in ihren kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten.

Das Potenzial von bilingualen Kitas, in denen eine pädagogische Fach­kraft ausschließlich die Fremdsprache (L2) verwendet, und bilingualen Grundschulen, in denen über 50% des Curriculums in der L2 unterrichtet werden, für den Spracherwerb liegt u.a. in der intensiven, kontextgebundenen und natürlichen Verwendung von Sprache sowie den sprachförderlichen Strategien der Veranschaulichung (Kersten et al. 2010, Weitz et al. 2010, Weitz 2015). Neben der Intensität und der Qualität des Sprachinputs zeigen auch die Dauer des L2-Kontakts (Wesche 2002, Kersten et al. 2010, Ponto et al. 2016) sowie kognitive Fähigkeiten, insbesondere die phonologische Bewusstheit, einen Einfluss auf den frühen L2-Erwerb (s. Werkmeister 2015, Kersten & Greve 2015, Kersten et al. i.Vorb.).

Anders als in Untersuchungen an regulären Schulen (z.B. Elsner 2007) werden in den o.g. Studien keine Unterschiede hinsichtlich Geschlecht oder Migrations­hintergrund gefunden. Für Kinder mit Unterstützungs­bedarf gibt es kaum Evidenz für Nachteile, dafür Hinweise auf Lernvorteile in bilingualen Einrichtungen (s. Paradis et al. 2011, Kersten & Rohde 2015). In umgekehrter Wirkrichtung zeigt der frühe bilinguale L2-Erwerb auch positive Effekte auf kognitive Fähigkeiten wie z.B. Aufmerksamkeit, exekutive Kontrolle oder metalinguistische Fähigkeiten (z.B. Bialystok & Barac 2012, Nicolay & Poncelet 2013). Die aktuelle Veränderung der sozialen Diversität in Vorschule und Grundschule legt zugleich die Frage nach weiteren (psycho-sozialen) Effekten bilingualer Kontexte nahe. Laut Kruse-Heine & Künne (2013:4) ist eine ganzheitliche Sprach­förderung der gesamten Persönlichkeits­entwicklung zuträglich. Aspekte wie Wahrgenommen werden, gemeinsame Aufmerksamkeit, gemeinsames Handeln, Motive und Absichten erkennen  (ibid. S. 12, Kuhl et al. 2011), lassen sich auf die sprachlichen Strategien der situativen Verständnis­förderung in enger Interaktion mit den Lernern übertragen, die für bilinguale Kontexte typisch sind (Ponto i.Vorb.), wie z.B. besondere Feedback-Techniken, den handlungs­begleitenden Einsatz von Sprache, dem gemeinsamen sprachlichen Handeln durch Bedeutungs­verhandlung.

Es ist daher zu prüfen, inwieweit frühe bilinguale Förderung auch über sprachliche und kognitive Aspekte hinaus positive Folgen hat. Bislang wenig untersucht ist etwa die Frage, inwieweit die sprachliche Entwicklung einen Einfluss auf das Selbstkonzept von Kindern hat (Hannover & Greve 2012), da das sprachliche Umfeld die Basis für Vergleiche in sozialen Interaktionen bildet, die das Selbsterleben und dessen Beschreibung beeinflussen (Harter 22012, Kuhl et al. 2011). Im Projekt FLINK werden diese Fragen explorativ untersucht.

Zielsetzung

Die FLINK-Studie befasst sich mit sprachlichen und kognitiven schulischen Vorläufer­fähigkeiten heterogener Lerner­gruppen in mono- und bilingualen Kitas und deren Entwicklung in den ersten beiden Grundschuljahren. Im Fokus stehen die Fragen nach dem Lernstand in der L2 Englisch am Ende der bilingualen Kita und ihrer Entwicklung bis Klasse 2, der Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten und der Deutsch­kenntnisse bei beiden Gruppen, dem Zusammenhang von sprachlicher und kognitiver Entwicklung, sowie dem Vergleich der sprachlichen Input­strategien der beteiligten pädagogischen Kräfte. Explorativ wird die Entwicklung des verbalen Selbstkonzepts in beiden Gruppen erfasst und verglichen.

Projekt­mitglieder

Projektleitung

Prof. Dr. Kristin Kersten (Institut für englische Sprache und Literatur)

Projektkoordination

Ann-Christin Bruhn (Institut für englische Sprache und Literatur)

Katharina Ponto  (Institut für englische Sprache und Literatur)

Kooperations­partner

Prof. Dr. Werner Greve (Institut für Psychologie)

FMKS Kiel (Verein für Frühe Mehrsprachigkeit an Kitas und Schulen)

Projekt SMILE (Studien on Multilingualism in Language Education)

Ehemalige Mitglieder

Alina Wegner (Institut für englische Sprache und Literatur)

Dissertations­projekt

Bruhn, Ann-Christin (in Vorb.) Einflussfaktoren auf den frühen Zweitspracherwerb in inklusiven Lerner­gruppen.

Publikationen und Konferenzbeiträge

Work in progress

Kersten, K. , Bruhn, A.-C., Böhnke, J., Ponto, K., Greve, W. (in prep.) „Operationalizing foreign language teaching strategies in primary school classrooms.“

Publikationen

Kersten, K. (accepted). „Der Zusammenhang von kognitiven Fähigkeiten und Mehrsprachigkeit: Individuelle und externe Variablen im frühen L2-Erwerb.“ In H. Böttger, J. Festman, T. Müller, T. (Hg.), Language Education & Acquisition Research: Blick auf den frühen Spracherwerb. Bad Heilbrunn: Klinkhardt Verlag.

Eingeladener Artikel:
Kersten K. (2019). „Einflussfaktoren im bilingualen Fremdsprachenerwerb.“ In A. Rohde, A.K. Steinlen (eds.), Sprachenvielfalt als Ressource begreifen: Mehrsprachigkeit in bilingualen Kindertagesstätten und Schulen (Band II). Berlin: dohrmannVerlag, 35–70. (pdf)

Konferenzbeiträge

Bruhn, A.-C., Kersten, K., Greve, W. (2019). „Die Entwicklung des sprachlichen Selbstkonzepts von einsprachigen Lernern und Herkunftssprechern in monolingualen und bilingualen Lernumgebungen“
Deutsche Gesellschaft für Fremdsprachenforschung DGFF (Universität Würzburg)

Kersten, K., Bruhn, A.-C. (2019). „The effect of L2 input and cognitively stimulating tasks on second language acquisition“. EUROSLA (Lund University)

Kersten, K. (2019). „SLA, cognitive development and foreign language teaching: Variables affecting early foreign language learning in bilingual preschools and primary schools“. Summer School on Multilingualism and Diversity Education (University of Hildesheim)

Kersten, K. (2019). „Sprachliche, kognitive und soziale Einflussfaktoren im frühen bilingualen Fremdsprachenerwerb“. LEAR (Language Education & Acquisition Research Conference): Focusing Early Language Acquisition (Universität Eichstätt-Ingolstadt)

Kersten, K., Bruhn, A.-C., Greve, W. (2019). „Videografie von sprachlichem Input im Fremdsprachen­unterricht und im bilingualen Unterricht: Ein Beobachtungs­instrument“. Videografie in der Lehrer_innenbildung (Centrum für Lehr­erbildung und Bildungs­forschung, Universität Hildesheim)

Kersten, K. (2019). „Gelingensbedingungen in bilingualen Grundschulen: Programm, sprachlicher Input, Feedback und weitere Faktoren“. Arbeits­tagung Schulversuch Lernen in zwei Sprachen – Bilinguale Grundschule Englisch (Bayerisches Staats­ministerium für Unterricht und Kultus / Stiftung Bildungs­pakt Bayern) (pdf)

Bruhn, A.-C., Kersten, K. (2018). „Operationalizing teacher input: Empirical evidence on the effect of input on the L2 acquisition of young learners“. EUROSLA (Univ. Münster)

Kersten, K., Bruhn, A.-C. (2018). „Comprehensible input and interaction in the primary classroom: Operationalizing foreign language teaching strategies as predictors for SLA“. Niedersächsisches Kolloquium der Fremdsprachendidaktik (Universität Hildesheim)

Keynote:
Kersten, K. (2018). „Bilinguale Grundschul­programme: Die Rolle von Lehr­kräften und anderen Faktoren“. Fach­tagung Frühe Mehrsprachigkeit in Kita, Krippe und Schule (FMKS, didacta Hannover)

Pilot­studien und Qualifikations­arbeiten

Conradi, L., Lietzau, V. (2019). Operationalizing Teacher Input in Bilingual and EFL Classrooms. Unpublished MA-Thesis. Hildesheim University.

von Bronsart, K., Schäfer, R. (2019). Young Children’s Language Perceptions in Monolingual and Bilingual Education: Assessing Language-Related Attitudes and Self-Concepts.Unpublished MA-Thesis. Hildesheim University.

Literatur

Bialystok, E., Barac, R. (2013). Cognitive effects. In F. Grosjean, P. Li (eds.), The Psycholinguistics of Bilingualism. Chichester, England: Wiley-Blackwell, 192–213.

Elsner, D. (2007). Hörverstehen im Englisch­unterricht der Grundschule. Ein Leistungs­vergleich zwischen Kindern mit Deutsch als Muttersprache und Deutsch als Zweitsprache. Frankfurt: Lang.

Hannover, B., Greve, W. (2012). Selbst und Persönlichkeit. In Schneider, W., Lindenberger, U. (Hrsg.), Entwicklungs­psychologie (ehemals Oerter & Montada; 7. Auflage, S. 543–561). Weinheim: Beltz.

Harter, S. (2012). Emerging self-processes during childhood and asolescence. In M.R. Leary, J.P. Tagney (Hrsg.), Handbook of Self and Identity. New York, London: Guilford Press, 680–715.

Kersten, K., Greve, W. (2015). Eine neue Sprache lernen – interdisziplinäre Perspektiven. Vortrag anlässlich des 1. Kooperativen Symposiums Freie Universität Bozen – Universität Hildesheim, Brixen.

Kersten, K., Greve, W., Ponto, K., Hagenfeld, K., Hemme, S., Schilder, L., Werkmeister, N. (i.Vorb.). Cognitive variables and other influencing factors in early second language acquisition. In T. Piske, A.K. Steinlen (Hrsg.), Cognition and Second Language Acquisition. Tübingen. Narr.

Kersten, K., Rohde, A. (2015). Immersion teaching in English with young learners. In J. Bland (ed.), Teaching English Language to Young Learners:Critical Issues in Language Teaching with 3–12 Year Olds. London: Bloomsbury, 71–89.

Kersten, K., Rohde, A., Schelletter, C., Steinlen, A.K. (Hrsg., 2010). Bilingual Preschools. Vol. I: Learning and Development. / Vol II: Best Practices. Trier: WVT.

Kruse-Heine, M., Künne, T. (2013). Sprache – Beziehung – Selbst­kompetenz. nifbe-Themenheft 18.

Kuhl, J., Künne, T., Aufhammer, F. (2011). Wer sich angenommen fühlt, lernt besser: Begabungs­förderung und Selbst­kompetenzen. In J. Kuhl, S. Müller-Using, C. Solzbacher et al. (Hg.), Bildung braucht Beziehung: Selbst­kompetenz stärken – Begabung entfalten. Freiburg/Breisgau: Herder, 15–27.

Nicolay, A.-C., Poncelet, M. (2013). Cognitive advantage in children enrolled in a second-language immersion elementary school program for three years. Bilingualism: Language and Cognition 16/03: 597–607.

Paradis, J., Genesee, F., & Crago, M. (2011). Dual Language Development and Disorders: A Handbook on Bilingualism and Second Language Learning (2nd Edition). Baltimore, MD: Brookes.

Ponto, K., Maier, E., Neubauer, L., Couve de Murville, S., Kersten, K. (2016). Assessing linguistic levels of L2 English in primary programs.“ In J.-U. Keßler, M. Liebner (eds.), Developing and Assessing Second Language Grammars Across Languages. Amsterdam: John Benjamins, 163–192.

Ponto, K. (in prep.) Kommunikative Unterrichtsprinzipien im Fremdsprachen­unterricht in der Grundschule. Hildesheim University.

Randhawa, E. (2012). Das frühkindliche Selbstkonzept: Struktur, Entwicklung, Korrelate und Einflussfaktoren. Heidelberg: Pädagogische Hochschule Heidelberg.

Weitz, M., Pahl, S., Flyman Mattsson, A., Buyl, A. & Kalbe, E. (2010). The Input Quality Observation Scheme (IQOS): The Nature of L2 Input and its Influence on L2 Development in Bilingual Preschools. In K. Kersten, A. Rohde, C. Schelletter, A.K. Steinlen, Anja (eds.), Bilingual Preschools. Vol. I: Learning and Development. Trier: WVT, 5–44.

Weitz, M. (2015). Die Rolle des L2-Inputs in bilingualen Kindergärten. Inquiries in Language Learning. Frankfurt a.M.: Peter Lang.

Werkmeister, N. (2015). The Relation Between Cognitive Variables and Receptive Second Language Skills. Unpublished MA-Thesis. Hildesheim University. (Betr. durch K. Kersten, C. Mähler)

Wesche, M. (2002). Early French immersion. How has the original Canadian model stood the test of time?, in Petra Burmeister, Thorsten Piske and Andreas Rohde (eds), An Integrated View of Language Development. Papers in Honor of Henning Wode, Trier: WVT, 357–79.