Nach dem Studium

Was kommt nach dem Studium? Eine Auswahl an Berichten unserer Alumnae und Alumni zeigt, wie es nach dem Geschichtsstudium beruflich weitergehen kann. 

Archiv

Tim Dielmann in dunklem Oberteil. Er hat dunkles, kurzes Haar und trägt einen kurzen Bart.

Während meines Studiums von 2016 bis 2022 war ich sowohl Wissenschaft­liche Hilfskraft am Lehr­stuhl für Zeitgeschichte in Verbindung mit dem Universitäts­archiv als auch Werkstudent im Unter­nehmens­archiv des Pumpenherstellers KSB in Frankenthal. Bei diesen Gelegenheiten konnte ich bereits früh Einblicke in archivische Aufgaben erhalten. Nach meinem Abschluss 2022 bekam ich eine befristete Projektstelle beim Landtag Rheinland-Pfalz zur theoretischen Ausarbeitung eines regionalen Wirtschafts­archivs. Hier habe ich meine bisherigen Berührungs­punkte mit dem Archivwesen fach­lich vertieft und ich entschied mich, weiterhin mit Archiven zu arbeiten zu wollen. Schließlich wurde ich Anfang 2024 Wissenschaft­licher Mitarbeiter bei der Gesellschaft für Unter­nehmens­geschichte mbH in Frankfurt/Main, wo ich zum einen zur Geschichte verschiedenster Unter­nehmen recherchiere, zum anderen aber auch Unter­nehmens­archive aufbaue, betreue und nutzbar halte. Die Arbeit am Lehr­stuhl und die Hausarbeiten haben mich definitiv sehr gut auf meine jetzigen Tätigkeiten vorbereitet. Auch der betriebs­wirtschaft­liche Anteil ist bis heute eine große Hilfe bei der Bewertung und Interpretation historischer Unter­nehmens­akten. Ich kann jedem empfehlen, sich mit der Arbeit im Archiv vertraut zu machen, denn hier kann man Geschichte wortwörtlich in die Hand nehmen und ist ganz dicht an den Wurzeln des historischen Wissens. Nicht nur erlernt man im Archiv den praktischen Umgang mit Primärquellen, man kommt auch automatisch mit dem Berufsfeld „Archiv“ in Kontakt. Auch sollte man nicht vor Initiativbewerbungen zurückzuschrecken. So kommt man in Gespräche oder entdeckt Praktikumsplätze oder Stellen, die gar nicht online ausgeschrieben waren.

Tim Dielmann, MaKuWi Geschichte mit BWL, Wissenschaft­licher Mitarbeiter bei der Gesellschaft für Unter­nehmens­geschichte, Frankfurt am Main (Stand FSS 2026)
Frau mit Brille und schulterlangem, braunem Haar trägt eine blaue Jeansjacke über einem weißen Oberteil vor beigem Hintergrund

Ich habe meinen Master of Arts 2020 abgeschlossen und war anschließend drei Jahre als Doktorandin und Lehr­assistentin am Lehr­stuhl für Geschichte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit in Mannheim tätig. Mittlerweile bin ich von der Universität Mannheim zum Landes­archiv Speyer gewechselt, bleibe jedoch durch die Betreuung meiner Dissertation durch Prof. Dr. Hiram Kümper dem Lehr­stuhl verbunden. Meine Zeit als wissenschaft­liche Hilfskraft hat meinen beruflichen Werdegang während und nach dem Studium nachhaltig geprägt. In der Lehre hatte ich unter anderem die Möglichkeit, die Planung von Übungen und Seminaren mitzugestalten. Besonders der Umgang mit frühneuzeitlichen Quellen und das Lesen von Handschriften haben mich im Studium weitergebracht und auch viel Spaß gemacht. Durch die Arbeit am Lehr­stuhl habe ich unter anderem die Arbeit in einem Archiv kennengelernt und so meinen Berufswunsch, Archivarin zu werden, gefunden.

Lena-Mareike Liznerski, Absolventin M.A. Geschichte, jetzt Archivangestellte (Landes­archiv Speyer) (Stand FSS 2026)

Aus dem Lehr­alltag

Mareile Rasiller vor einem bunten Gemälde. Sie hat schulterlanges blondes Haar und lächelt.

Ich habe in Mannheim Gymnasiallehr­amt für Geschichte und Englisch studiert, mein Referendariat in meiner Heimat Niedersachsen gemacht und bin mittlerweile Gymnasiallehr­erin in Bayern. Vorher habe ich noch drei Jahre lang eine Promotion in der Alten Geschichte geschrieben. Seit meiner Kindheit hat mich die antike Welt fasziniert. Mit Mitte 20 einmal wissenschaft­lich drei Jahre lang an meinem eigenen Projekt forschen zu können, war großartig. Ich bin dankbar, dass mich das Lehr­stuhl­team dazu ermutigt hat und es war für mich der passende Abschluss der Zeit an der Universität – gerade weil ich natürlich wusste, dass ich Alte Geschichte an der Schule nicht in dieser Tiefe unter­richten werde. Jetzt bin ich stolz, „mein“ Buch geschrieben und einen kleinen Beitrag zum Fach geleistet zu haben. Mit dem Gedanken, an der Universität zu bleiben, habe ich durchaus gespielt. Für mich überwiegen aber die Vorteile des Lehr­erberufs: Der tägliche Kontakt zu Kindern, Jugendlichen und ihren Familien, die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen unter­schiedlicher Fach­richtungen und natürlich eine hohe Sicherheit und auch eine attraktive Bezahlung, von der man gut leben kann. Ein entspannter Job ist das Lehr­erdasein, trotz der familien­freundlichen Arbeits­zeiten, ehrlicherweise aber nicht. Der Mental Load ist durch die viele Organisations- und Dokumentations­arbeit, die jeden Tag anfällt, sehr hoch. Der Kosmos Schule bietet viele Möglichkeiten zur Mitgestaltung und Aufgaben, die jenseits des Unter­richtens anfallen. Ich hatte zum Beispiel das Glück, bereits an zwei Schulbüchern mitarbeiten zu dürfen, und hoffe, mich in meiner wohl noch langen Lehr­erkarriere vielleicht irgendwann auch einmal in der Schul­entwicklung, Lehr­erausbildung oder am Lehr­plan einbringen zu können. Wer nicht auf Lehr­amt studiert aber ein abgeschlossenes Geschichtsstudium hat, kann übrigens trotzdem noch Lehrer oder Lehr­erin werden. Gerade an den vielen Schulen in nicht-staatlicher (z. B. kirchlicher) Trägerschaft ist eine Einstellung als Quereinsteiger oft recht un­problematisch möglich und bietet attraktive Arbeits­bedingungen. Natürlich muss man motiviert sein, sich in Unter­richtsplanung etc. einzuarbeiten – aber das kann dann meist direkt an der Schule erfolgen. Hilfreich ist dann aber auf jeden Fall ein zweites Studien­fach, das auch unter­richtet werden kann.

Mareile Rassiller, Promotion am Lehr­stuhl Alte Geschichte, Gymnasiallehr­erin (Stand FSS 2026)

Forschung und Lehre (Universitäre Welt)

Sophia Rishyna in einem lila Oberteil vor dem Mittelbau des Schlosses der Universität Mannheim. Sie trägt langes blondes Haar und eine Brille.

Von 2016 bis 2021 habe ich an der Universität Mannheim im Bachelor und Master Geschichte studiert und direkt ab dem ersten Semester als wissenschaft­liche Hilfskraft am Lehr­stuhl für Mittelalterliche Geschichte gearbeitet. Das musste ich nach zwei Jahren leider aufgeben, als ich im Herbst 2018 ins Auslands­semester gegangen bin. Als ich wieder zurückkam, konnte ich mich mehr für Zeitgeschichte begeistern. Frau Borgstedt band mich in ihr Forschungs­projekt zur NS-Zeit in Speyer ein und ich bekam die wundervolle Möglichkeit, mit bisher für die Forschung unbeachtet gebliebenen Primärquellen zu arbeiten. Daraus entstanden nicht nur meine Bachelor- sowie Master­arbeit, sondern auch zwei Artikel in der Publikation des Projekts. Eigentlich wollte ich nach dem Master keine Promotion mehr dranhängen, aber dann weckte das Angebot des Lehr­stuhls für Wirtschafts­geschichte mein Interesse. Die Gelegenheit, zum Patentwesen des Nationalsozialismus zu arbeiten, wollte ich nicht missen, und so begann ich im September 2021 meine Dissertation bei Jochen Streb, die ich Ende 2026 fertigstellen möchte. Auch wenn mir der ökonomische Hintergrund fehlt, hat mich das Studium exzellent auf die Promotion vorbereitet: ich arbeite gerne im Archiv und mit Primärquellen, und die Hermeneutik erlaubt es mir mit verschiedenen Perspektiven an meine Forschung heranzutreten. Da ich mittlerweile auch positive Erfahrungen in der Lehre gesammelt habe kann ich es mir vorstellen, in der Wissenschaft zu bleiben.

Sophia Rishyna, B.A./M.A Geschichte, Promovierende am Lehr­stuhl für Wirtschafts­geschichte, Universität Mannheim (Stand FSS 2026)
Mann trägt dunkelblaues Poloshirt mit rot-weißem Kragen vor einem Gebäude mit bogenförmigem Eingang

Nach meinem Master­abschluss im Jahr 2018 bin ich an die Universitäts­bibliothek gewechselt um dort als wissenschaft­licher Mitarbeiter ein Erschließungs­projekt frühneuzeitlicher Handschriften zu leiten. Meine Zeit als wissenschaft­liche Hilfskraft am Lehr­stuhl für Geschichte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit hat nicht nur die Grundlage für einen sehr guten Studien­abschluss gelegt, sondern mich auch auf diesen ersten beruflichen Schritt vorbereitet. In meiner Zeit am Lehr­stuhl konnte ich erste Erfahrungen in der Projektplanung und -arbeit, aber auch im Umgang mit frühneuzeitlichen und mittelalterlichen Quellen sowie erste Lehr­erfahrungen sammeln. In den Jahren 2019 und 2020 habe ich verschiedene Projekte zur Umsetzung digitaler Lehr­formate an der Universitäts­bibliothek betreut und war als Projektmitarbeiter an der Konzeption eines neuen innovativen Lernraums (ExpLAB) beteiligt. Seit März 2021 leite ich die Kommunikations­abteilung der Universitäts­bibliothek Mannheim und bin zudem als Fach­referent für das Fach Geschichte tätig.

Viktor Boecking, Absolvent M.A. Geschichte, Leiter der Abteilung Kommunikation und Fach­referent für Geschichte & E-Learning (UB Mannheim) (Stand FSS 2026)
Frau mit Briller, brauner Jacke und grauem Rollkragenpullover lehnt an einem Geländer in einem Flur

Mein beruflicher Werdegang wurde maßgeblich durch meine Tätigkeit als wissenschaft­liche Hilfskraft und Lehr­beauftragte am Lehr­stuhl für Geschichte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit geprägt. Bereits seit meinem ersten Bachelor­semester war ich Teil des Teams und konnte durch die Planung und Organisation von Projekten und Ausstellungen sowie die Arbeit mit spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Handschriften viele Jahre Erfahrungen sammeln. Darüber hinaus hat mich der Lehr­stuhl dazu inspiriert, Wissenschaft disziplin­übergreifend zu denken und zu vermitteln. Nach meinem Abschluss absolvierte ich ein wissenschaft­liches Volontariat an den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim und arbeitete anschließend als Kuratorin an der Universität Tübingen. Inzwischen habe ich ein Zweitstudium in der Sozialpädagogik absolviert, bin in diesem Bereich als wissenschaft­liche Mitarbeiterin an der Universität Siegen tätig und setze mich als Vorsitzende des Vereins Wissen und Kultur für Kinder e. V. (WuKKis) für kulturelle Teilhabe und Bildungs­gerechtigkeit ein. Dem Lehr­stuhl bleibe ich noch immer als Doktorandin verbunden.

Kira Keßler, Absolventin M.A. Geschichte, wissenschaft­liche Mitarbeiterin (Universität Siegen) (Stand FSS 2026)
Mann mit kurzen lockigen Haaren, Bart und schwarzem Hemd, vor hellem Hintergrund

Zwischen 2011 und 1017 habe ich an der Uni Mannheim im Bachelor und Master „Kultur und Wirtschaft: Geschichte“ studiert und dabei seit Anfang 2014 als wissenschaft­liche Hilfskraft und Tutor am Lehr­stuhl für die Geschichte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit gearbeitet. Inhaltlich war der „Epochensprung“ über das Jahr 1500 für mich prägend: Nach meiner Zeit in Mannheim war ich zunächst Doktorand am SFB 1285 „Invektivität. Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung“ an der TU Dresden. Hier wurde ich 2022 mit einer Dissertation zur Öffentlichkeit im 16. Jahrhundert promoviert. Seit 2023 lehre und forsche ich an der Universität Bielefeld im Profil­bereich „Geschichte der Vormoderne“, der ganz gezielt mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte zusammenführt. Meine Zeit am Mannheimer Lehr­stuhl war in vieler Hinsicht wegweisend: Früh wurde hier der Sprung ins kalte Wasser, sprich ins Archiv und hinein in die handschriftlichen Quellen des 14. bis 17. Jahrhunderts, nahegelegt und solides geschichts­wissenschaft­liches Handwerkszeug vermittelt, von dem ich bis heute profitiere. Die Anregung zu ersten selbstständigen Forschungs­projekten – etwa zur Hanse oder zu spätmittelalterlichen Stadtrechnungen – und frühe Lehr­erfahrungen sind wohl verantwortlich dafür, dass ich den Weg in die Wissenschaft eingeschlagen habe.

Dr. Jan Siegemund, Absolvent MaKuWi Geschichte mit BWL, wissenschaft­licher Mitarbeiter am Profil­bereich 'Geschichte der Vormoderne' der Universität Bielefeld (Stand FSS 2026)