„Damit sich Geschichte nicht wiederholt“

Der 24-jährige Jonathan Trautmann studiert an der Universität Mannheim den Master Geschichte. Nebenbei engagiert er sich als wissenschaft­liche Hilfskraft beim Verein Ludwigshafen setzt Stolpersteine e. V. ­– ein Arbeits­kreis aus Vertreterinnen und Vertretern des Ludwigshafener Stadtarchivs, Lehr­kräften und geschichts­interessierten Personen. Der Verein organisiert das Verlegen von Stolpersteinen in Ludwigshafen, veranstaltet Führungen, gibt Schulmaterialien heraus und gedenkt in vielfältiger Weise den Opfern des Nationalsozialismus. Ein Einblick in die historische Vereinsarbeit.

„Die messingfarbenen Stolpersteine sind kleine, im Boden verlegte Gedenktafeln, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die während des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Sie gelten als das größte dezentrale Gedenk­projekt Europas und wurden vom Kölner Künstler G­unter Demning konzipiert.

In die Oberfläche der zehn mal zehn Zentimeter großen Steine sind die Namen und Lebensdaten von Verfolgten des Dritten Reichs eingraviert. Seit November 2007 gibt es die Stolpersteine auch in der Mannheimer Nachbarstadt Ludwigshafen. Dort bewegen mittlerweile über 300 Stück – wie in vielen anderen deutschen und europäischen Städten auch – Passantinnen und Passanten zum kurzen Innehalten. Betreut werden die Gedenksteine vom Verein Ludwigshafen setzt Stolpersteine e. V. und seinen zahlreichen ehrenamtlichen Helfenden.

Als wissenschaft­liche Hilfskraft unterstütze ich den Verein bei der Recherche unzähliger Biografien, da jedes Opfer des Nationalsozialismus eine individuelle Lebens- und Verfolgungs­geschichte hat. Das kommt nicht selten einer regelrechten Detektivarbeit gleich. Außerdem betreue ich die Social-Media-Seiten des Vereins – etwa bei Instagram, Facebook und Twitter. Dort informieren wir über unsere Veranstaltungen, aber vor allem auch über die Menschen, deren Namen auf den verlegten Stolpersteinen zu finden sind.

Trotz aller Bemühungen durch Politik und Ehrenamt, haben Vorurteile und Antisemitismus noch heute einen festen Platz in unserer Gesellschaft. Damit sich Geschichte nicht wiederholt, sensibilisieren wir intensiv Kinder und Jugendliche für diese Themen – im Unterricht, aber auch auf der Straße. Jede Steinverlegung in der Innenstadt oder in den Stadtteilen wird von einer Ludwigshafener Schulklasse mitgestaltet. Das macht die Schulen in Ludwigshafen zu unseren wichtigsten Kooperations­partnerinnen.

Durch das Geschichtsstudium an der Universität Mannheim verfüge ich über die notwendige breite theoretische und methodische Basis, um den Verein Ludwigshafen setzt Stolpersteine e.V. bei seiner wichtigen Gedenkarbeit unterstützen zu können. Gleichzeitig hilft mir die Arbeit im Verein, ein größeres Verständnis für mein Studium zu entwickeln und ihm einen praktischen Kontext hinzuzufügen: Mit der Recherche jeder einzelnen Biografie erlerne ich Neues und profitiere enorm von den praktischen Tipps und Kniffen der ehrenamtlichen Vereins­mitglieder.“